Wer rettete Sammy?

Kater Sammy verschwand vergangenes Frühjahr aus Hanau. Acht Monate später landete er schwer verletzt im Darmstädter Tierheim. Sein Leben verdankt Sammy einem unbekannten Tierfreund.

Von Mara Pitz

Sammy und seine Schwester Elfie (als Katzenbabys)

Zu ihrem Sammy haben Eveline Jilg-Meiser und ihr Mann Peter Meiser von Anfang an eine ganz besondere Beziehung. Denn der Kater kam 2014 bei den Meisers zur Welt, als eines von drei Jungen ihrer Katze Momo. „Er war sehr lieb und verschmust, aber auch sehr nach draußen orientiert“, berichtet Eveline Jilg-Meiser im Gespräch mit TIERISCH GUT. Im März vergangen Jahres kehrte Sammy dann nicht mehr von einem seiner Streifzüge zurück. Die Meisers suchten alles ab, informierten die Nachbarn und verteilten mehr als 200 Flugblätter in Hanau – doch Sammy blieb spurlos verschwunden.

Bis zu einem nasskalten Abend im November, als ein Anruf die freudige Botschaft brachte: Sammy lebt! Wenige Tage später holten die Meisers ihren Kater aus dem Tierheim in Darmstadt ab. Was war passiert? Wenige Tage zuvor wurde Sammy im Wald in Dietzenbach gefunden, leblos und schwer verletzt. Der Finder brachte ihn in die Tierklinik nach Neu-Isenburg, wo sich das ganze Ausmaß von Sammys Verletzungen zeigte: „Er hatte ein Schädel-Hirn-Trauma, eine zertrümmerte Hüfte und Lungenblutungen“, fasst Jilg-Meiser zusammen. Die Veterinäre vermuten, dass er angefahren wurde, nur knapp überlebte und sich mit letzter Kraft in den Wald rettete. Nach der Notfallversorgung in der Klinik war Sammy ins Darmstädter Tierheim gebracht worden, wo er schließlich dank der Suchmeldung von „Tasso“ erkannt wurde. Ein Blick hinter die Kullisen von Tasso gibt es in unseren Beitrag http://tierischgut-da.de/blog/2022/tier-entlaufen-was-nun/.

Wie Sammy aus Hanau ins knapp 20 Kilometer entfernte Dietzenbach kam, können die Meisers nur spekulieren. In Sammys Revier war damals eine große Baustelle. „Vielleicht ist er dort in einen Laster eingestiegen und als blinder Passagier mitgefahren“, vermutet seine Besitzerin.

Ein gutes halbes Jahr später ist Sammy dank intensiver tierärztlicher Behandlung wieder fit. „Körperlich hat er keine Schäden“, sagt Jilg-Meiser. „Aber sein Wesen ist verändert.“ So will der Kater heute gar keinen Freigang mehr, traut sich nicht mehr weiter als bis zur Terrassentür. Stattdessen sei er nur umso anhänglicher und verschmuster geworden. Die Meisers sind überglücklich, ihren ganz besonderen Kater wieder bei sich zu haben. Nur eine Sache treibt sie um: „Wir würden uns so gerne bei der Person bedanken, die Sammy gefunden und in die Tierklinik gebracht hat.“ Den Namen darf die Klinik nicht herausgeben, aus Datenschutzgründen. Die Meisers setzen nun Hoffnung auf den Bericht in TIERISCH GUT. „Vielleicht finden wir auf diesem Weg den Menschen, der Sammy gerettet hat.“

Sind Sie Sammys Lebensretter und wollen Kontakt zu Familie Meiser herstellen? Dann schreiben Sie uns an info@tierisch-gut.de.


Die Katze leidet still

Viele Katzen werden heute 15 bis 20 Jahre alt – doch der Alterungsprozess und die damit verbundenen Probleme beginnen schon viel früher. Tierarzt Martin Kniese und Katzenpsychologin Carmen Schell erklären im Interview, woran Halter die ersten Zipperlein erkennen, wie man Katzensenioren den Alltag erleichtert – und was das Tolle an betagten Samtpfoten ist.

Von Mara Pitz

TIERISCH GUT: Herr Kniese, Frau Schell, ab wann ist eine Katze eigentlich alt?
Carmen Schell: Aus meiner Sicht ist das wie bei uns Menschen: individuell sehr unterschiedlich. Generell würde ich sagen so ab sieben bis zehn Jahren.
Martin Kniese: Die Katzen, die wir hier in der Praxis sehen, sind ja meistens Haus- oder Wohnungskatzen, die medizinisch gut versorgt, gut ernährt und betreut und auch den Alltagsrisiken einer Bauernhofkatze nicht ausgesetzt sind, sodass die Lebenserwartung einer Katze heute weit über zehn Jahre hinausgeht. 14, 16 Jahre, bis hin zu 20 Jahren ist heute ja nichts mehr Ungewöhnliches. Von daher ist die Alterung auch unterschiedlich. Medizinisch gesehen beginnt für uns die ältere Katze mit acht bis zehn Jahren. Und ab zehn, zwölf Jahren gehen dann meist die ersten altersbedingten Probleme los.

Martin Kniese und Carmen Schell im Interview mit TIERISCH GUT. Foto: Mara Pitz

Was sind die typischen erstes Anzeichen, dass die Katze alt wird?
Schell: Ich finde das Gemeine an Katzen ist, dass man das eben sehr spät merkt. Die meisten Menschen nehmen gar nicht wahr, dass die Katze mehr schläft oder ihr Sprungverhalten verändert. Sie zögert vielleicht einen ganz kurzen Moment vor dem Sprung - der Halter denkt sich nichts dabei. Die Katze wägt ab, ob sie den Sprung schafft oder hat Schmerzen dabei. Da braucht man ein sehr genaues Auge, um das wahrzunehmen. Die meisten Halter bemerken erst die für uns eher unschönen Veränderungen, wenn die Katze unsauber wird oder anfängt, stark zu vokalisieren.
Kniese: Aus ärztlicher Sicht ist es dann eigentlich schon zu spät. Viele Veränderungen sind Dinge, die man gerne als Tierhalter - und manchmal auch als Tierarzt – geneigt ist, aufs Alter zu schieben. Man sagt: Das ist jetzt normal. Dabei sind viele Probleme medizinisch beeinflussbar. Wenn sich im Alter etwas verändert – die Katze wird aggressiv, nimmt ab oder trinkt mehr – sollte man immer auch an etwas Krankhaftes denken. Wir haben bei den Katzen ganz typische Altersproblematiken: Das sind organische Leiden, vornehmlich Nieren- und Schilddrüsenprobleme sowie Herzprobleme und Diabetes, die man am ehesten über Blutuntersuchungen feststellen kann. Was auch sehr häufig übersehen wird, sind Arthrosen. Das sind Schmerzprozesse bei Katzen, die sich dann daran zeigen, was Frau Schell bereits beschrieben hat: Die Katze ist nur noch eingeschränkt beweglich und meidet viele Dinge. Das sollte einen Tierhalter immer hellhörig machen, denn die Katze kann nicht sagen: Ich habe Schmerzen. Sie sitzt auch nicht da und miaut, wenn ihr etwas weht tut. Die Katze leidet still. Wir haben zum Glück mittlerweile modernste Arthrose-Medikamente, die sehr gut wirken und auch älteren Katzen ein schmerzfreies Leben ermöglichen.

Sind das spezielle Schmerzmittel?
Kniese: Nein, dabei handelt es sich um ein Präparat, das bestimmte entzündliche Prozesse im Körper verhindert. Das ist eine echte Innovation in der Katzenmedizin. Viele Halter sind davon begeistert und berichten von massiven Verhaltensveränderungen. Eine andere Schmerzproblematik bei Katzen sind die Zähne, also Lochfraß, den man nur mit aufwändigen Röntgentechniken unter Narkose feststellen kann. Das ist aber kein reines Altersthema, sondern kommt auch bei jüngeren Katzen vor.

Es gibt ja die Volksweisheit, dass Katzen im Alter garstig werden. Stimmt das?
Schell: Bei manchen Katzen geht die Reizschwelle herunter, das mag schon sein. Aber das hängt immer von der Grundbelastung ab: Hat die Katze Schmerzen, ist ihr übel, hat sie vielleicht Streit mit ihrem Katzenkumpel? Aber, und das ist mir ganz wichtig, das hat immer einen Grund. Keine alte Katze ist ohne Grund garstig. Die meisten älteren Katzen, die zu mir in die Beratung kommen, schicke ich zuallererst zum Tierarzt. Bei fast allen steckt dann auch etwas Medizinisches dahinter.

» Alte Katzen sind wunderbar. « (Carmen Schell)

Kann man etwas tun, um dem Altern entgegenzuwirken?
Kniese: Übergewicht ist natürlich ein großes Thema, das sollte man vermeiden. Ich kann nur generell raten, die ältere Katze ab etwa acht Jahre mindestens einmal im Jahr tierärztlich durchchecken zu lassen. Die Zähne müssen kontrolliert werden, das Blut sollte untersucht werden. Vieles kann man durch Vorsorge sehr früh klären und behandeln im Sinne der Lebensqualität für das Tier.

Katzenlaufrad von Carmen Schell

Und was kann man im Alltag tun?
Schell: Wer rastet, der rostet, das gilt auch für Katzen. Ihr Bewegungsdrang ist bis ins hohe Alter enorm, sofern sie ihn schmerzfrei ausleben können. Meine 17 Jahre alte Katze zum Beispiel leidet unter Arthrose und hat Probleme, Treppen zu gehen. Sie läuft aber jeden Tag mehrfach in einem speziellen Laufrad für Katzen – von sich aus. Das ist eine sehr gleichförmige Bewegung, die ihr guttut.
Kniese (lacht): Wie bekommt man denn eine Katze in ein Hamsterrad rein?
Schell (lacht): Es ist ja ein übergroßes Rad mit 1,25 Meter Durchmesser. Tatsächlich muss man junge Katzen da meist gar nicht heranführen. Die sehen sich an, wie sich das dreht, und springen rein. Die Älteren brauchen gerne mal eine kleine Instruktion, wie sie rein- und rauskommen, laufen dann aber erstaunlich viel darin. Das ist auch besonders für Hauskatzen ohne Freigang interessant.

Für Menschen gibt es ja das sogenannte Gehirnjogging. Gibt es so etwas auch für Katzen?
Schell: Clickertraining kann man zum Beispiel auch mit einer älteren Katze beginnen. Auch Food Puzzles sind eine tolle Möglichkeit. Das bedeutet, dass die Katze ihr Futter nicht nur aus dem Napf bekommt, sondern es sich erarbeiten muss. Die Hauptmahlzeiten sollten gerade bei älteren Katzen schon im Napf angeboten werden und auch immer an der gleichen Stelle. Aber alles, was es an Snacks gibt, erhält meine Katze zum Beispiel über Aufgaben.

Können Katzen auch dement werden?
Schell: Auf jeden Fall! Sie verlieren dann ähnlich wie Menschen den Tag-Nacht-Rhythmus und stehen plötzlich orientierungslos da, wissen nicht mehr, was sie tun wollten. Meine Katze ist auch dement – aber noch relativ am Anfang. Wenn sie zum Beispiel mitten in der Nacht aufwacht und nicht weiß, wo wir sind, wird auch ordentlich gerufen.
Kniese: Dieses nächtliche Vokalisieren ist ein großes Problem für viele Katzenhalter. Manche Tiere schreien die ganze Nacht durch. Einige sind taub, hören sich deswegen nicht mehr selbst und schreien dann nur umso lauter. Viele Menschen tun kein Auge mehr zu. Wenn die Katze dann noch unsauber wird, weil sie das Katzenklo nicht mehr findet oder vergisst, dass sie es benutzen muss, wird das zur riesigen Herausforderung.

»Die Schmusigkeit und Anhänglichkeit von meinen alten Tieren habe ich immer sehr genossen.« (Martin Kniese)

Wie kann man da Abhilfe schaffen?
Schell: Katzen sind Gewohnheitstiere und wissen gerne, wann was passiert. Man kann zum Beispiel Rituale einführen und der Katze jeden Abend einen Schlafplatz herrichten, sie ins Bett bringen und – wenn sie es mag – zudecken. So weiß die Katze, wann der Tag zu Ende ist und die Nacht beginnt. Außerdem schätzen ältere Katzen meist Wärme sehr. Außerdem helfen zum Beispiel Nachtlichter für die Steckdose, sodass sich die Katze nachts besser orientieren kann.
Kniese: Die Katze sieht ja eigentlich nachts sehr gut. Wenn sich aber im Alter die Linse zunehmend eintrübt, wird das Nachtsehen als erstes beeinträchtigt. Das führt dann zu Irritationen, wenn die Katze plötzlich nachts wie vor einer schwarzen Wand steht und gar nichts mehr erkennt. Gegen die Demenz an sich kann man medizinisch leider nichts tun.

Was ist aus Ihrer Sicht noch typisch für das Alter, Frau Schell?
Schell: Katze wird wieder mehr Katze. Die junge Katze passt sich unserem Leben unglaublich stark an, was ihre Gewohnheiten angeht. Ein Beispiel: Für eine Katze ist es körperlich nicht passend, nur morgens und abends zu fressen. Denn physiognomisch ist sie eigentlich auf viele kleine Mahlzeiten angepasst: In der Natur fängt sie 15 bis 30 kleine Beutetiere am Tag. Viele Katzen machen es aber trotzdem ganz lange mit, dass sie nur morgens und abends gefüttert werden wie ein Hund. Im Alter verlangen sie dann aber wieder mehrere kleine Mahlzeiten, wie es eigentlich ihrer Natur entspricht.

Jetzt müssen Katzen ja auch häufiger zum Tierarzt – sind sie denn auch die anstrengenderen Patienten auf dem Tisch?
Kniese: Im Gegenteil – meist sind sie durch ihre Erfahrung etwas gelassener und ruhiger, was Routine-Untersuchungen vereinfacht.

Viele Menschen wollen unbedingt ein Katzenbaby. Was spricht aus Ihrer Sicht dafür, sich stattdessen eine ältere Katze anzuschaffen?
Schell: Man hat nicht die ganze Erziehungsarbeit, die ein Kitten mit sich bringt. Die haben ja schon viel Quatsch im Kopf. Zudem kann eine ältere Katze mit ihrer eingeschränkteren Lebenserwartung für junge Menschen, die mitten im Leben stehen und sich nicht zu lange an ein Tier binden wollen, eine gute Wahl sein.
Kniese: … oder für ältere Menschen, die nicht mehr 15 oder 20 Jahre die Verantwortung für ein Tier übernehmen wollen.

Medizinisch gesehen hat das Alter ja sehr viele negative Seiten. Was gibt es denn aus Ihrer Sicht Positives?
Kniese: Ich persönlich habe die Zeit mit alten Tieren, sei es Hund oder Katze, immer sehr geschätzt, weil dann mehr Ruhe und Gelassenheit in das Verhältnis eingekehrt sind. Die Schmusigkeit und Anhänglichkeit habe ich immer sehr genossen.
Schell: Das kann ich voll und ganz unterschreiben! Das Tollste an einer alten Katze sind ihre Gelassenheit und ihre Lebenserfahrung.

Zum Abschluss beenden Sie beide bitte folgenden Satz: Alte Katzen sind…
Kniese und Schell (gleichzeitig): Wunderbar!

Zur Person

Carmen Schell lebt und arbeitet als Katzenpsychologin in Dieburg. Mit ihrem Unternehmen Cattalk® berät sie bundesweit Katzenbesitzer, Tierärzte und Tierheime. Schell ist regelmäßig in der TV-Sendung „hundkatzemaus“ auf Vox als Katzenexpertin zu sehen (mehr auf www.cattalk.de).
Tierarzt Martin Kniese lebt und arbeitet in Darmstadt. Seit 1992 betreibt er seine Praxis in der Wilhelm-Glässing-Straße 2 (unmittelbar am City-Tunnel), in der neben ihm vier weitere Tierärztinnen beschäftigt sind. Weitere Infos unter www.tierarztpraxis-kniese.de

Zehn Tipps für den Alltag mit einem Katzensenior

Hilfsmittel: Katzentreppchen oder ein niedriger Kratzbaum helfen der älteren Katze, Lieblingsplätze wie die Fensterbank oder das Sofa leichter zu erreichen.
Nachtlicht: Da die Sehkraft im Alter nachlässt, kann ein kleines Nachtlicht dafür sorgen, dass sich die Katze im Dunkeln orientieren kann.
Futterwechsel: Viele Katzen werden im Alter beim Futter wählerischer. Im Fachhandel gibt es speziell für die Bedürfnisse auf ältere Katzen oder auch für bestimmte Erkrankungen wie Diabetes abgestimmtes Futter.
Unsauberkeit: Wenn die Katze im Alter unsauber wird, kann das auf Demenz oder auf körperliche Probleme wie Inkontinenz hinweisen. Niemals sollte man sie dafür schimpfen!
Wärme: Viele ältere Katzen frieren leichter. Ein warmes Deckchen oder Kissen können Abhilfe schaffen.
Katzenklo wechseln: Manche Katzen nehmen im Alter ihre Katzentoilette nicht mehr an, weil das Hineinspringen unangenehm oder schmerzhaft ist.
Gesundheitscheck: Verhaltensveränderungen bei alten Katzen gehen oft auf unerkannte Krankheiten zurück. Ein Gang zum Tierarzt schafft Klarheit.
Mitbringsel: Auch Katzensenioren, die keinen Freigang (mehr) genießen, sind noch neugierig. Man kann ihnen etwas von draußen mitbringen, zum Beispiel Kastanien, einen Tannenzapfen oder etwas Laub.
Abwechslung: Futtersuchspiele und Beschäftigung mit der Katze festigen die Bindung und halten die Katze fit.
Gelassenheit: Das Alter gehört zum Leben dazu.

 


Tier entlaufen – was nun?

In der Tasso-Notrufzentrale in Sulzbach im Taunus wird täglich hunderten Tierhaltern geholfen, die ihren Hund oder ihre Katze vermissen. TIERISCH GUT hat hinter die Kulissen geschaut.

Von Mara Pitz

Wenn Jennifer Gierok ihren Arbeitstag beginnt, lässt das erste Drama meist nicht lange auf sich warten: Eine junge Frau ist am Telefon, völlig aufgelöst. Ihre Katze Lucy ist weg. Eigentlich eine Wohnungskatze, ist sie in einem unbeobachteten Moment durch ein offenes Fenster entwischt. Seitdem fehlt jede Spur von Lucy. Die Stimme der Katzenbesitzerin zittert, klingt verweint.

Jennifer Gierok mit Bürohund Misha

Was für Tierhalter der absolute Alptraum und eine Ausnahmesituation ist, ist für Jennifer Gierok Alltag. Denn die 42-Jährige aus Flörsheim arbeitet in der Notrufzentrale von Tasso. Rund um die Uhr ist der Telefondienst der Tierschutzorganisation mit Sitz in Sulzbach im Taunus erreichbar für Tierhalter, die ihren Liebling vermissen. Auch Menschen, die ein Tier gefunden haben, können sich an Tasso wenden. Das Prinzip ist so einfach wie genial: Tierhalter registrieren ihr Tier bei Tasso. Meist wird dazu die Nummer des Transponder-Chips benutzt, den Haustiere unter der Haut tragen (siehe Infobox 1 am Ende des Artikels) oder aber die im Ohr eintätowierte Nummer. Der Tierhalter gibt Namen, Geschlecht, Alter und eventuell besondere Merkmale in der Datei an, außerdem seine eigenen Kontaktdaten. Auch ein Foto von seinem Liebling kann er hinterlegen. Entläuft das Tier später und wird gefunden, kann es über die Registrierung dem Halter zugeordnet werden.

Auch die Katze der Anruferin, Lucy, ist im Tasso-Verzeichnis registriert, wie Jennifer Gierok mit einem Blick in ihren Computer feststellt. In der Datei vermerkt Gierok, dass Lucy vermisst wird. Außerdem erstellt sie kostenlos Suchplakate für die Besitzerin. Schließlich hat Gierok noch praktische Tipps für die Frau parat: „Bitten Sie Nachbarn, im Keller nachzuschauen“, rät Gierok. Und: „Stellen Sie besser kein Futter raus.“ Denn das könnte andere Katzen anlocken, was wiederum Lucy davon abhalten könnte, in ihr Revier zurückzukehren. „Stellen Sie stattdessen ein Schälchen mit benutztem Katzenstreu raus und legen sie getragene Kleidungsstücke von sich aus.“ Der vertraute Geruch könne der Katze helfen, zurückzufinden. „Und am besten lassen sie immer das Fenster und die Tür offen, damit sie jederzeit zurück in die Wohnung kann.“ Einfühlsam und ruhig spricht Gierok mit der Anruferin. Am Ende klingt die junge Frau schon gefasster.

Samantha Fricke mit Bürohund Mike

Rund 300 solcher Vermisstenmeldungen, die meisten davon betreffen Katzen und Hunde, gehen jeden Tag bei Tasso ein. Hinzu kommen mehrere hundert Anrufe von Menschen, die ihr Tier registrieren lassen möchten oder aber ein herrenloses Haustier gefunden haben. Jennifer Gierok und ihre rund 60 Kollegen aus der Notrufzentrale arbeiten an sieben Tagen in der Woche in vier Schichten. In der Kernzeit von 8 bis 20 Uhr sind bis zu zwölf Mitarbeiter parallel an den Telefonen. Gieroks Kollegin Samantha Fricke übernimmt meist die Nachtschicht von 23 bis 6 Uhr. „Nachts ist es meistens etwas ruhiger am Telefon“, berichtet Fricke. Dann übernimmt die 27-Jährige andere Aufgaben, durchforstet zum Beispiel Facebookgruppen und Co auf der Suche nach Hinweisen zu vermissten Tieren oder bestellt Suchplakate für Besitzer. „Wir raten davon ab, selbst Suchplakate mit der Handynummer zu drucken“, sagt Fricke. „Unsere Plakate sind anonym.“ Die Besitzer müssen darauf keine privaten Angaben wie ihre Handynummer preisgeben und sind so vor Datenmissbrauch, Scherzanrufen oder gar Erpressungsversuchen geschützt. Denn es ist schon vorgekommen, dass Kriminelle versucht haben, Geld von verzweifelten Menschen zu ergaunern, indem sie vorgaben, das vermisste Tier gefunden zu haben, berichtet Fricke. „Datenschutz wird bei uns großgeschrieben“, erklärt sie. Dazu gehört auch, dass der Tierhalter entscheidet, ob seine Kontaktdaten an den Finder weitergegeben werden – oder ob der Kontakt komplett über Tasso läuft.

Deutschlandweit sind bei Tasso 10,5 Millionen Tiere von rund sieben Millionen Haltern registriert. Hunde stellen mit 6 Millionen Tieren den Löwenanteil dar, gefolgt von Katzen mit rund vier Millionen Registrierungen. Der Rest verteilt sich auf Klein- und andere Haustiere. „Von der Maus übers Frettchen bis hin zum Pferd ist alles dabei“, sagt Samantha Fricke. Gegründet wurde Tasso 1982 als bundesweites Haustierregister, damals mit dem Ziel, Tierdiebstahl zu verhindern und gestohlene Tiere zurück zu ihrem Halter zu bringen. Mit den Jahren verschob sich der Fokus immer weiter in Richtung Rückvermittlung entlaufener Tiere. Mittlerweile ist der Verein als Tierschutzorganisation anerkannt und nach eigenen Angaben das größte Haustierregister Europas. Finanziert wird die Arbeit ausschließlich über Spenden.

Transponderlesegerät, Foto: TASSO e.V.

Zur Arbeit in der Notrufzentrale gehören auch traurige Momente: Wenn ein vermisstes Haustier tot gefunden wird, informiert Tasso die Halter. „Bei diesen Anrufen gehen wir besonders vorsichtig vor“, sagt Fricke. Zum Beispiel frage sie dann immer zuerst, wo der Tierhalter gerade ist. „Wenn die Person Auto fährt, dann bitte ich sie zum Beispiel, rechtsranzufahren.“ Trotz der traurigen Botschaft seien viele Tierhalter dann trotzdem dankbar, ergänzt Gierok. „Denn sie haben endlich Gewissheit, was mit ihrem Tier passiert ist.“

Doch es gibt auch Geschichten zum Schmunzeln: Etwa die von der Katze, die sich unbemerkt ins Wohnmobil der Nachbarn schlich und am nächsten Tag mit ihnen in den Urlaub ans Mittelmeer fuhr. Oder solche, die man wohl nie vergisst: In der Flut im Ahrtal wurde eine Katze von den Wassermassen mitgerissen – und nach vier Monaten in einem Ort zehn Kilometer flussabwärts gefunden. „Völlig abgemagert, aber lebendig“, erinnert sich Fricke. „Diese Familie hatte in der Nacht alles verloren, aber die Katze konnten wir ihnen zurückgeben.“

Besonders viele Vermisstenanzeigen gehen übrigens im Sommer bei Tasso ein. Denn dann sind die Menschen mehr draußen, gehen länger und an unbekannten Orten mit dem Hund spazieren, Türen und Fenster stehen länger offen. Katzen werden in der Urlaubszeit oft von Nachbarn versorgt und können in einem unbemerkten Moment entwischen. Weiterer trauriger Höhepunkt ist an Silvester: An keinem anderen Tag im Jahr verschwinden mehr Hunde und Katzen. „Wir können nur dazu aufrufen, jedes einzelne Tier zur registrieren. Auch eine Wohnungskatze kann entlaufen“, mahnt Fricke. In der unbekannten Umgebung finden reine Stubentiger zudem schwerer wieder nach Hause als Artgenossen mit Freigang. Ob Wohnungskatze Lucy wieder zurück zu ihrer Besitzerin findet, bleibt an diesem Nachmittag ungewiss. Die Chancen stehen jedoch gut. Im vergangenen Jahr sind insgesamt 113.000 Hunde, Katzen und andere Haustiere bei Tasso vermisst gemeldet worden. 93.000 Tiere fanden dank der Arbeit des Vereins wieder zurück nach Hause.

Foto: TASSO e.V.

Infobox 1: Tier registrieren

Die meisten Hunde und Katzen sind heutzutage „gechipt“. Das bedeutet, sie tragen einen winzigen Transponder unter der Haut, meist am Nacken oder am Ohr, mit dem sie identifizierbar sind. Die Nummer des Transponders wird im EU-Heimtierausweis eingetragen. Die meisten Tierheime und Tierärzte besitzen ein Gerät, mit dem man die Chipnummer auslesen kann. Damit das Tier einem Halter zugeordnet werden kann, muss es bei Tasso registriert werden. Dass das Tier gechipt ist, genügt nicht! Das Haustier registrieren kann man auf tasso.net. Neben Tasso gibt es mit Findefix ein weiteres Haustierregister in Deutschland, das zum Deutschen Tierschutzbund mit Sitz in Bonn gehört und ebenso eine 24-Stunden-Hotline bietet: 0228 6049635. Auch dort muss man sein Haustier mit der Transpondernummer registrieren. Mehr Informationen unter findefix.com.

Checkliste: Hund entlaufen

Was tun, wenn der Hund aus der Wohnung oder beim Spaziergang entläuft? Tierschützer geben folgende Tipps:
An Ort und Stelle bleiben: Ein entlaufener Hund kehrt oft wieder dorthin zurück, an der er seinen Besitzer verloren hat. Deswegen sollte möglichst eine Bezugsperson an der Stelle bleiben, wo er zuletzt gesehen wurde. Wenn man sich doch entfernen muss, kann man ein getragenes Kleidungsstück hinterlassen.
Vermisst melden: Möglichst schnell den Hund bei Tasso und Findefix als vermisst melden, beziehungsweise den Hund dort registrieren, falls noch nicht geschehen.
Stellen informieren: Man sollte die örtliche Polizei, eventuell auch Jagdpächter und Förster informieren, auch das örtliche Tierheim kann vorab informiert werden. Bauhöfe und Straßenmeistereien informieren (falls das Tier angefahren wurden).
Sich Hilfe holen: In lokalen Facebookgruppen wird oft schnell und unbürokratisch Unterstützung bei der Suche organisiert. Zum Beispiel gibt es Menschen aus Suchhundestaffeln, die gezielt nach entlaufenen Hunden suchen.
Nachbarn informieren und großflächig Suchplakate anbringen und ggf. die Hundehalter-Haftpflichtversicherung informieren, dass der Hund entlaufen ist.

Checkliste: Katze entlaufen

Folgende Tipps können helfen, wenn die Katze entlaufen ist:
– Immer eine Tür oder ein Fenster offenlassen
– Katzentoilette / benutztes Katzenstreu aufstellen
– Bei Tasso und Findefix als vermisst melden beziehungsweise registrieren, falls noch nicht geschehen
– Nachbarn informieren und Suchplakate aufhängen
– Keller- und Lagerräume in der Umgebung absuchen, gegebenenfalls Firmen und Büros in der Nähe informieren
– Örtliche Tierheime anrufen
– Bauhöfe und Straßenmeistereien informieren (falls die Katze angefahren wurde)

Tier gefunden, was nun?

Wer ein Haustier findet, ist dazu verpflichtet, den Fund zu melden. Sonst macht er sich strafbar. Der Fund muss beim örtlichen Ordnungsamt oder nachts bei der Polizei gemeldet werden. Dort muss eine Fundmeldung mit Beschreibung des Tieres hinterlassen werden. Gerade bei verletzten Tieren ist die Fundmeldung vor dem Gang zum Tierarzt wichtig, damit der Finder später nicht die Behandlungskosten zahlen muss. Auch ein tot gefundenes Tier sollte gemeldet werden.

Kontakt

Die Tasso-Notrufnummer 0 61 90 93 73 00 ist an sieben Tagen rund um die Uhr besetzt. Mehr Informationen: tasso.net und in der Tasso-App „Tipp-Tapp“.

Haben auch Sie ein vermisstes Tier wiedergefunden? Dann schreiben Sie uns Ihre Geschichte dazu: info@tierischgut-da.de
Wir melden uns bei Ihnen.


Happy End für Lola – vom Problemhund zur Trainingsbegleiterin

Drei Jahre lang saß Mischlingshündin Lola im Tierheim. Selbst erfahrene Tierpfleger kamen nicht an sie ran, war nur mit Maulkorb händelbar. Heute führt sie bei Fee Henrici in Darmstadt ein glückliches Leben. Lola fetzt mit ihrem Hundekumpel Muri über den Waldweg. Die braun-gestromte Hündin bleibt kurz stehen, reckt die Nase in die Luft und schnüffelt. Noch bevor Lola ins Unterholz losrennen kann, ruft ihre Besitzerin sie zurück – und Lola trabt freudig auf sie zu.

Lola im Tierheim

Das soll ein Problemhund sein, gefährlich für Menschen und andere Hunde? Der Jogger jagt und verletzen würde? Der nur mit Maulkorb aus dem Zwinger darf? All das ist schwer vorstellbar, wenn man Lola heute sieht. Auf einem gemeinsamen Spaziergang am Böllenfalltor erzählt Hundetrainerin Fee Henrici die Geschichte ihrer heute sieben Jahre alten Hündin.

Lola stammt aus Frankreich. 2015 kam sie bei einem Vermehrer in Frankreich zur Welt. Wegen schlechter Haltung wurde sie ihrem Besitzer von den Behörden mehrmals abgenommen. Doch der wollte das nicht akzeptieren. Er machte ausfindig, wo Lola sich befand, und klaute sie immer wieder zurück. Dafür reiste er auch quer durchs Land, sodass die Tierschützer irgendwann auf die Idee kamen, die Hündin ins Ausland zu schaffen.

So kam Lola zu Tiere in Not Odenwald (Tino) in Reichelsheim. Bei Tino ist man an schwierige Hunde gewöhnt: Der Tierschutzverein erhielt für sein bundesweites Engagement für Problemhunde 2013 den hessischen Tierschutzpreis. Doch Lola war selbst für die erfahrenen Tino-Tierschützer eine harte Nuss. „Sie zeigt einen übertriebenen Jagdtrieb und nimmt jeden Außenreiz für sich, um dann richtig aufzudrehen, das können auch irgendwelche kleinen, sich bewegende Punkte am Horizont sein“, so steht es auf der Vermittlungsseite im Internet. Und: „Für die Mischlingshündin suchen wir ganz erfahrene Hundehalter.“ Ein erster Vermittlungsversuch 2018 missglückte.

„Sie kam nach einem halben Jahr zurück und die Probleme hatten sich verschlimmert,“ sagt Fee Henrici. Lola war nervös, kam gar nicht mehr zur Ruhe und reagierte auf alles, was sich bewegte. Nur ein Tierpfleger war so mit ihr vertraut, dass er sie ohne Maulkorb händeln konnte. Als Fee Henrici die Hündin das erste Mal besuchte, dachte sie nicht, „dass das klappen kann“.

Doch Henrici blieb dran, denn sie hatte sich in den Problemhund verliebt. Sie besuchte Lola regelmäßig im Tierheim und nahm mit ihr an einer Trainingsgruppe für schwierige Hunde teil. Im April 2020 schließlich nahm sie Lola dann ganz zu sich. Seitdem begleitet die Hündin sie täglich in ihrem Job als Hundetrainerin – und hat Spaß dabei, viel unterwegs und in Action zu sein.

„Ein Hund für eine Runde im Park und dann auf die Couch ist Lola nicht“, sagt Henrici. Dank klarer Erziehungsregeln und genügend Auslastung spielt der Maulkorb im Alltag heute keine Rolle mehr. Selten greift Henrici zu dem Hilfsmittel, um in bestimmten Situationen auf Nummer sicher zu gehen. „Wenn es sehr trubelig ist zum Beispiel oder Kinder herumspringen.“ Denn unterschätzen dürfe man Lola nicht. „Sie wäre, wenn man sie lassen würde, auch heute noch für eine Kneipenschlägerei zu haben,“ sagt Henrici augenzwinkernd. Statt Ärger gibt es heute aber vor allem eins in Lolas Leben: entspannte Spaziergänge im Wald.

Was Fee Henrici mit ihren beiden Hunden Lola und Muri in ihrem Campervan erlebt, zeigt sie auf ihrer Instagram-Seite #two_dogs_and_a_van.

Lola und Muri unterwegs mit Frauchen Fee Henrici

Gärten für Mensch und Tier

Kai Brauns bietet Landschaftspflege mit dem besonderen Blick: Der gelernte Gärtner und Tierpfleger weiß, wie sich Schildkröte, Echse und Co im Freien wohlfühlen. Freilandterrarien für Schildkröte und Co sind seine Spezialität.

Von Mara Pitz

Kai Brauns mit Hündin Monster / Foto: Mara Pitz

Jemand, der sich auf das Thema tiergerechter Garten spezialisiert hat, ist Kai Brauns. Der gelernte Gärtner und Tierpfleger, der 15 Jahre lang in verschiedenen Tierheimen gearbeitet hat, hat sich Ende 2020 als Landschaftsgärtner selbstständig gemacht. Unter dem Motto „Gärten für Mensch und Tier“ bietet der 44 Jahre alte Weiterstädter neben klassischer Gartenpflege wie Hecken- und Baumschnitt und der Wiederherstellung verwilderter Gärten auch Beratung rund um tierfreundliche Gartengestaltung. Seine Spezialität sind die Planung und der Bau von Volieren und Freilandterrarien, in denen etwa Schildkröten oder Echsen gehalten werden. „Im Freien hat man einfach viel mehr Platz als drinnen,“ erläutert Brauns die Vorteile. „Und man kann die Gehege natürlicher und größer gestalten.“

Bei Freilandterrarien gehe es vor allem darum, auf wenigen Quadratmetern verschiedene kleine Klimazonen zu schaffen, sagt er. So bietet eine Wasserstelle im Terrarium Lebensraum für Molche und Unken. Steinhaufen und Trockenmauern schaffen dagegen wärmere Bereiche und sind deshalb gut geeignet für Schildkröten und Eidechsen. „Mauereidechsen zum Beispiel brauchen Steine, auf denen sie sitzen und sich in der Sonne aufwärmen können.“ Die richtigen Pflanzen ziehen Insekten an, die wiederum Nahrung für viele andere tierische Gartenbewohner sind.

Schildkröten fressen gerne Pflanzen, die als Unkraut verschmäht werden, wie Löwenzahn, Wegerich und Wildkräuter, erläutert der Gärtner. Einige Gewächse erfüllten daneben noch andere Funktionen für die Tiere: Rosmarin zum Beispiel sei gut für den Panzer. „Wenn die Schildkröte durch die Pflanzen durchkrabbelt, wird der durch die Öle darin gepflegt.“ Das sei viel besser als den Schildkrötenpanzer von Hand mit Öl einzureiben, sagt Brauns. „Denn das Öl verhindert die Atmung, die über den Panzer stattfindet.“

Dabei machten viele Schildkrötenhalter schlicht aus Unwissenheit Fehler in der Haltung. Das liegt auch daran, dass die Tiere leicht 80 bis 100 Jahre alt werden können und deswegen ihre Ersthalter überleben. „Viele Schildkrötenbesitzer haben sich das Tier gar nicht selbst angeschafft, sondern geerbt, und kennen sich deswegen nicht richtig aus.“

Tigersalamander im schattigen Gehege / Foto: Kai Brauns

Bei Fragen zur Haltung berät Brauns Tierbesitzer. Nicht immer ist viel Aufwand nötig, um etwa ein bestehendes Terrarium zu optimieren. „Oft kann man mit wenigen Materialien, die die Kunden schon im Garten haben, sehr viel bewirken“, sagt Brauns.

Zu seinen Kunden zählen vor allem ältere Menschen in Darmstadt und Umgebung, die sich nicht mehr selbst um Beschnitt und Rasen kümmern können. Aus kleineren Routine-Arbeiten wird dann aber auch mal mehr – so wie bei dem Senior, der Brauns beauftragte, „mal was Anderes“ aus dem langweiligen Vorgarten zu machen: Eine Spirale aus weißen Kieseln wird jetzt gesäumt von Tulpen, um die eine Bienenweide angelegt wurde. „Spätestens im Sommer wird der Garten voller Bienen, Hummeln und Schmetterlingen sein.“

Pragmatisch und platzsparend ist die Holzkonstruktion, die Brauns für einen Balkon gebaut hat: Sie ist Sitzbank, Hochbeet und Kratzbaum mit Schlafnische für die Katze des Hauses in einem.

Brauns Leidenschaft gilt den Molchen und Echsen. Neben seinen beiden Hunden hält er „sehr viele davon“ bei sich zuhause in Gräfenhausen und hat rund 20 Jahre Erfahrung mit Terrarien. In seinem Keller hält er einige der unter Artenschutz stehenden Amphibien. Diese stammen allesamt aus Zuchten. Die Exemplare in seinen Freiland-Terrarien sind dagegen einfach so in den Teichen in seinem Garten eingezogen, berichtet er. Denn Molche werden von Wasserstellen angezogen und suchen sich ihren Lebensraum im Garten selbst. „Aber sie brauchen die Feuchtigkeit und können ohne nicht so weite Strecken von Garten zu Garten zurücklegen.“ Wenn in jedem Garten eine kleine Wasserstelle wäre, hätten es viele Wildtiere einfacher, fasst Brauns zusammen.

Foto: Mara Pitz

Gärten zum Wohlfühlen

Sommerzeit ist Gartenzeit – doch wie kann man das heimische Grün so gestalten, dass sich Mensch und Tier dort wohlfühlen? Antworten gibt es auf den folgenden Seiten.

Mit ein paar Tricks lässt sich vor der Haustür ein Idyll für Schmetterlinge, Bienen und Vögel schaffen. Das ist leichter als gedacht, schön anzusehen – und leistet einen Beitrag zum Artenschutz.

Ein akkurat gepflegter Garten mit englischem Rasen – und mittendrin ein imposantes Vogelhaus. Wenn sich hier kein Piepmatz blicken lässt, ist das kein Wunder. Denn zu einem vogelfreundlichen Garten braucht es mehr, erklärt Gärtner und Tierpfleger Kai Brauns. Die Tiere brauchen Nahrung in Form von Insekten, vor allem aber Rückzugsmöglichkeiten und Verstecke in Sträuchern und Büschen. „Sonst schaut der Vogel nach oben, sieht den Turmfalken und hat Angst, selbst zum Vogelfutter zu werden“, erklärt der Weiterstädter, der sich auf tiernahe Gartengestaltung spezialisiert hat (Link zum Beitrag  http://tierischgut-da.de/blog/2022/gaerten-fuer-mensch-und-tier/ ‎). Doch wie kann man einen Garten möglichst naturnah gestalten?

Ein naturnaher Garten fängt damit an, dass man Insekten einen Lebensraum bietet. Und das geht am besten, in dem man Natur zulässt. Fürs erste genügt schon eine wilde Ecke, die man nicht mäht und nicht betritt. Hier können Brennnesseln, Gräser und Klee sich ausbreiten, die lebenswichtig für viele Insektenarten sind. Darauf weist der Naturschutzbund (Nabu) hin. Wer Baumschnitt, Laub und Co nicht entsorgt, sondern an einem regengeschützten Fleck, etwa zwischen Sträuchern oder an der Hauswand sammelt, lädt Igel ein. Im Frühjahr erwachen die stacheligen Tierchen aus ihrem Winterschlaf, ab Juni ziehen sie ihre Jungen auf.

Bei der Pflanzenauswahl sollte man auf heimische Pflanzen zurückgreifen: Haselnuss, Weißdorn, Schlehe, Faulbaum, Buche, Wildapfel und Schneeball ziehen Schmetterlinge, Käfer und andere Insekten an, empfiehlt der Naturschutzbund (Nabu). Nicht nur Nektar und Pollen, sondern auch die Stängel und Blätter sind wichtig für Insekten. Denn daraus werden Nester gebaut oder sie werden von Raupen gefressen. Besonders vogelfreundliche Pflanzen sind laut Nabu heimische Gehölze wie Eberesche, Weißdorn, Kornelkirsche und Felsenbirne.

Ein Wildblumenbeet sorgt darüber hinaus für farbenfrohe Hingucker im Garten und ist noch dazu pflegeleicht. Denn heimische Stauden sind winterhart, wenig anfällig für Pilze und müssen nur ein Mal im Jahr zurückgeschnitten werden. Im Frühjahr, wenn der Garten zu neuem Leben erwacht, schlüpfen die Insekten, die in den Halmen der Wildblumen überwintert haben. Die Auswahl an heimischen Stauden ist riesig. Der Nabu empfiehlt unter anderem Wiesensalbei, Moschusmalve, Glockenblume und Akelei. Wichtig ist dabei, die Blühfolge der ausgewählten Pflanzen zu beachten, damit Insekten möglichst immer Nahrung finden. Die Fetthenne zum Beispiel blüht recht spät im Jahr und ist somit eine wichtige Nahrungsquelle für Schmetterlinge, die dann ihre Flugzeit haben.

Mit Insektenhotels lassen sich zusätzliche Lebensräume und Überwinterungshilfen schaffen. Es gibt sie mittlerweile im Handel fertig und als Bausatz zu kaufen. Sie lassen sich aber auch mit ein wenig Geschick selbst bauen.

Zu einem naturnahen Garten gehören laut Umweltschützern vom Nabu auch unbedingt Frühblüher wie Narzissen, Schneeglöckchen oder Krokusse. Sie sind nicht nur schön anzusehen, sondern auch lebensnotwendig für früh fliegende Insekten. Doch Hundebesitzer sollten hier aufpassen: Denn viele Blumenzwiebeln sind giftig für die Vierbeiner. Vor allem im Frühjahr und im Herbst häufen sich die Vergiftungsfälle, berichtet der Tierschutzverein „Aktion Tier“. Denn in beiden Jahreszeiten werden üblicherweise die Sommer- beziehungsweise Frühlingsblüher unter den Zwiebelpflanzen eingesetzt. Die beim Gärtnern herumliegenden Zwiebeln lockten etwa spielende Hunde an - meist unbemerkt von den Besitzern. Sie würden bei den ersten Vergiftungsanzeichen dann auch nicht direkt an die Blumenzwiebeln denken. Wenn Tiere die Zwiebeln gefressen haben, sollten ihre Besitzer mit ihnen schnellstmöglich einen Tierarzt aufsuchen, warnt die Aktion Tier. Für Katzen sind dagegen unter anderem Oleander und Christrose gefährlich, warnt Sabine Ruthenfranz, die ein Buch über „Katzenpflanzen“ geschrieben hat.

Wasser im Garten lockt weitere Wildtiere an und dient als Tränken für Insekten und Vögel. Ein Gartenteich sollte so gestaltet sein, dass Molche, Frösche und Igel bequem an das Wasser herankommen. Der Uferbereich sollte nicht zu steil sein, um die Tiere vor dem Ertrinken zu schützen, heißt es in „Mein schöner Garten“. Zusätzliche Ausstieghilfen wie Bretter oder Äste am Rand helfen Igeln und Co. Steine und Steinhaufen am Rand werden von Insekten und Eidechsen gerne als Ruheorte angenommen. Am richtigen Ort und mit der passenden Bepflanzung kann ein Gartenteich völlig ohne Technik auskommen, so der Naturschutzbund. Ein tierfreundlicher Gartenteich sollte demnach außerdem mindestens 80 Zentimeter tief sein, damit Tiere am Grund überwintern können – und darf in der kalten Jahreszeit nicht komplett zufrieren.

Ohne Teich tut es auch eine Tränke: Perfekt für Vögel ist eine halbschattig platzierte Tränke, die zwei bis zehn Zentimeter hoch mit Wasser befüllt wird, so der Nabu. Sie sollte regelmäßig befüllt und nur mit Wasser gereinigt werden. Für Insekten kann man kleinere Gefäße mit Wasser im Garten aufstellen – Steine darin dienen als Landeplatz und Rettungsinseln.

Wichtig nicht nur für Katzenbesitzer: Die Wasserstelle sollte so platziert werden, dass keine Katze sie erreichen kann. Denn freilaufende Samtpfoten machen nicht an der eigenen Gartenpforte Halt und sind eine ernstzunehmende Gefahr für Wildvögel. Übrigens kann es sich auch lohnen, ein Katzenhaus für Samtpfoten im Garten aufzustellen - entweder als Rückzugsort für den eigenen Freigänger oder als Unterschlupf für freilebende Katzen in der Nähe. Darauf weist der Deutsche Tierschutzbund hin. Um eine Katzenschutzkiste selbst zu bauen, braucht man eine große Styroporkiste, Folie aus dem Baumarkt, etwas Stroh und eine Decke. Eine ausführliche Bauanleitung mit Video gibt es auf findefix.com.

Trotz der Kritik am Anfang des Texts: Auch Vogelhäuser und Nisthilfen sind sinnvoll - wenn der Rest des Gartens passt.

Hörtipp

In dem Podcast „Grünstadtmenschen“ des Magazins „Mein schöner Garten“ geben die Expertinnen Karina Dinser-Nennstiel und Antje Sommerkamp passend zur Jahreszeit Garten-Tipps. Folge 44 dreht sich um das Thema Haustiergarten.

Dont's im Garten

Diese drei Dinge sollten im tierfreundlichen Garten tabu sein.
1. Gift spritzen: Gift ist im wahrsten Sinne des Wortes Gift für die Artenvielfalt und zudem gefährlich für Mensch und Vierbeiner.
2. Nur sterile Pflanzen wählen: Exotische Pflanzen wie die Forsythie oder Bambus bieten heimischen Insekten keine Nahrung.
3. Alles aufräumen: ein englischer Rasen ist eine Wüste für Wildtiere.

 


Neues aus dem Zoo Vivarium: Küstenatmosphäre

Eine Dünenlandschaft zum Verweilen und Erleben

Seit Ende April 2022 können Besucherinnen und Besucher eine neue Attraktion vor der Watvogelhalle im Darmstädter Zoo Vivarium bewundern: Eine Dünenlandschaft, wie sie an der Nord- und Ostsee vorkommt.

Nach einer Landschaftsplanung durch das Überlinger Unternehmen Ramboll wurden für dieses Projekt zahlreiche Kubikmeter Erde und Sand bewegt, Wege neu angelegt, Beete geschaffen, Sitzmöglichkeiten errichtet und ein Holzsteg erbaut.

Möglich war die Neugestaltung des in die Jahre gekommenen Picknickplatzes laut Stadtkämmerer André Schellenberg durch die finanzielle Unterstützung der Kaupiana und der Merck KGaA.

„Die Umgestaltung des alten, in die Jahre gekommenen Picknickplatzes hat es uns auch ermöglicht, thematisch auf die Tierarten in der Watvogelhalle einzugehen“, erklärt Stadtkämmerer Schellenberg.

Um die natürliche Bepflanzung der Dünen von Nord- und Ostsee zu symbolisieren, wurden eine Vielzahl von Gräsern, Stauden und Büschen gesetzt. Die neu angelegte Landschaft gibt Besucherinnen und Besuchern einen Ort, an dem Naturschutz für Kinder und Familien erlebbar wird.
Drei pädagogische Spielgeräte aus nachhaltigen Materialen bieten Kindern zudem die Möglichkeit zum Klettern, Toben und Balancieren und fügen sich optisch bestens in die Dünenlandschaft ein.

Ein weiteres Highlight bildet ein Segelboot, das von Auszubildenden des zweiten Lehrjahres der Werkstatt des EAD so umgebaut und restauriert wurde, sodass darauf gespielt werden kann. Zusammen mit drei gemütlichen Strandkörben unterstreicht es den maritimen Charakter der Dünenlandschaft.

Mit der Gestaltung der Fassade der Vogelhalle wurde der Darmstädter Grafiker Jörn Heilmann beauftragt. Dabei hat er eine beeindruckende optische Tiefe generieren können, die den Besucherinnen und Besuchern das Gefühl vermittelt, sich direkt an der Küste zu befinden und den Watvögeln beim Fliegen zuzusehen.


Auf das Huhn gekommen

Hühner sind abenteuerlustig, geschickt – und liegen im Trend. Immer mehr Menschen träumen vom Ei aus dem eigenen Garten – es gibt verschiedene Wege, ihn sich zu erfüllen.

Von Mara Pitz

Hühner sind viel mehr als Eierproduzenten. Sie sind abenteuerlustig, geschickt - und sie boomen. Michael Lüft aus Seligenstadt (Kreis Offenbach) hat daraus ein Geschäft gemacht. Seit 2013 betreibt Lüft seine Firma „Rent a Huhn“. Er verleiht Hühner, immer fünf Stück, inklusive Stall und mobilem Zaun, und das bundesweit. Knapp 100 Euro kostet das pro Woche. Dafür bekommt man – im Schnitt – drei Eier pro Tag, die man aus dem angebauten Nistkasten lesen kann.

Wer sich von Lüft Hühner mieten will, muss mindestens 20 Quadratmeter Freilauf auf unbefestigtem Boden bieten. Weil Hühner Herdentiere sind, werden sie mindestens zu fünft vermietet. Etwa die Hälfte von Lüfts Kunden sind Institutionen: Kindergärten, Altenheime, Behinderteneinrichtungen. Die andere Hälfte der „Rent a Huhn“-Kunden sind Privatleute. Meistens Familien, die sich nach ein bisschen Landleben im eigenen Garten sehnen. Oder Großeltern, die den Enkeln in den Sommerferien eine Freude machen wollen. Manche davon überlegen, sich dauerhaft Hühner anzuschaffen und sehen die Miethühner als Testlauf.

Auf seine Geschäftsidee kam Lüft, der mit Hühnern großgeworden ist, mehr durch Zufall. Ein Junge aus der Nachbarschaft hatte sich gewünscht, mal für eine Woche Hühner auszuleihen. Das war 2012. Als der gelernte Schornsteinfeger ein Jahr später „Rent a Huhn“ mit gerade mal 25 Hennen gründete, war das nach eigener Aussage der erste Betrieb dieser Art in Deutschland. Mittlerweile gibt es zahlreiche Nachahmer in ganz Deutschland. Nicht nur ihr Angebot ähnelt dem von Lüft, auch die Namen klingen ähnlich: „Huhn to go“, „Chicken to go“ oder schlicht „Miete ein Huhn“.

Foto: Michael Lüft

Hühner in der Stadt – für Trendforscher ist das Teil der Entwicklung, sich bewusster mit der Herkunft unserer Nahrung zu beschäftigen. Die Menschen reagieren damit auf die hoch technisierte Lebensmittelproduktion und auf die vielen Skandale der Massentierhaltung. Und immer mehr Menschen beschäftigen sich damit, wie ihre Lebensmittel produziert werden und unter welchen Bedingungen Nutztiere leben. Das zeigt sich auch an der steigenden Zahl von Vegetariern: Der Anteil der Deutschen, die auf Fleisch verzichten, hat sich im Jahr 2020 im Vergleich zum Vorjahr verdoppelt. Heute lebt laut Meinungsforschungsinstitut Forsa jeder zehnte Deutsche vegetarisch.

Dass Hühner unterschätzt werden, ist mittlerweile übrigens wissenschaftlich belegt. Biologen der Macquarie University im australischen Sydney fanden heraus, dass Hühner in der Lage sind, vorausschauend zu handeln. Eine Henne im Labor entriegelte das Schloss ihres Käfigs. Mehrmals änderten die Wissenschaftler den Schließmechanismus, jedes Mal entkam sie. Ihr Antrieb: Sie wollte in die Nähe eines Bildschirms kommen, auf dem ein Film mit einem besonders prächtigen Hahn lief.

Experimente mit Plastikeiern zeigten, dass schon frisch geschlüpfte Küken zwischen großen und kleinen Mengen unterscheiden können. Außerdem sind Hühner im Stande, sich die Flugbahn eines Balls für drei Minuten zu merken. So lange schaffen das auch Primaten und Kleinkinder.

Außerdem entlarvten Forscher das taktische Geschick des Federviehs. Ein Alpha-Hahn etwa gackert, um die Hennen seiner Herde vor natürlichen Feinden wie Habichten zu warnen. Ist ein zweiter Hahn in der Nähe, geht er in Deckung, um anschließend besonders lautstark Alarm zu schlagen. Offenbar spekuliert der Alpha-Hahn darauf, dass der Greifvogel den Rivalen bemerkt und ihn ausschaltet.

Hähne vermietet Michael Lüft übrigens nicht – sie krähen einfach zu laut für deutsche Wohnsiedlungen. Lüfts rund 300 Miethennen haben von April bis Oktober Konjunktur, den Winter verbringen alle Tiere als Legehennen auf dem Hof. Sein Vermietservice ist so gefragt, dass er längst nicht mehr alle E-Mails beantworten kann. „Die Anfrage reißt nicht ab“, berichtet er. Anfangs bot er noch einen Lieferservice an und fuhr die Tiere durch ganz Deutschland, aber das schafft er schon lange nicht mehr. Mittlerweile holen die meisten Kunden die Tiere bei ihm in Seligenstadt ab. Im ersten Corona-Lockdown habe es viele Absagen von Schulen und Kindergärten gegeben. Die ausgefallenen Aufträge wurden dann aber schnell von Privatkunden aufgefangen. „Die Kindern waren ja zuhause, da waren die Hühner im Garten eine gute Beschäftigung.“ Das Interesse ist so groß, dass Lüft noch mal zehn weitere Hühnerhäuschen baute. Insgesamt 66 sind jetzt im Angebot. Wie viele seiner Privatkunden sich danach dauerhaft für Hühner im eigenen Garten entscheiden, kann Lüft schlecht einschätzen.

Wer dies tut, kann dabei gleich noch etwas Gutes tun und Legehennen zu einem zweiten Leben verhelfen. Hierfür setzt sich der „Rettet das Huhn e. V.“ ein. Der als gemeinnützig anerkannte Verein übernimmt seit 2015 Legehennen aus Massentierhaltung, die sonst geschlachtet würden, und vermittelt sie an Privatpersonen. Nach eigenen Angaben rettet der Verein so jedes Jahr bundesweit rund 12.000 Hennen vor dem Schlachthof.

Fakten zum Federvieh

15 Jahre beträgt die maximale Lebenserwartung eines Huhns.
1,5 Jahre alt werden die meisten Legehennen, wenn sie geschlachtet werden.
8 bis 30 Eier im Jahr legte die Wildform des heutigen Huhns.
108 Zwerghuhnrassen sind in Deutschland registriert.
111 Großhühnerrassen waren 2016 in Deutschland registriert.
6.000 Legehennen dürfen in konventioneller Haltung in einem Stall leben.
2 Meter hoch können Hühner fliegen.
9 Hennen kommen in Bodenhaltung auf einen Quadratmeter Stallfläche.
100 Tiere oder weniger zählen Herden, indenen sich Hühner wohl fühlen.
3000 Jahre vor Christus hielten Menschen in Indien bereits Hühner.
300 Eier im Jahr produziert eine Legehenne.
20 Milliarden Hühner gibt es auf der Welt – das bedeutet, dass auf jeden Menschen 2,5 Hühner kommen.

Buchtipp: Hühner Liebe

Foto: GU Verlag

Tipps zur Hühnerhaltung von Gehege über Fütterung bis hin zur Anleitung, wie man ein Huhn möglichst schnell und stressfrei für das Tier einfängt, bietet der Ratgeber „Hühnerliebe“ von Katharine von der Leyen. Das ansprechend gestaltete Buch erklärt anschaulich und mit vielen Bildern, worauf es bei der Hühnerhaltung ankommt. Auch erfahrene Hühnerhalter können hier noch etwas über das Federvieh lernen. Mit Rezepten rund ums Ei.

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Leinen los! – der Hundewiesencheck

In vielen Parks und Grünanlagen herrscht für Hunde Leinenzwang. Hundewiesen können eine gute Alternative sein, um dem Vierbeiner Auslauf und Sozialkontakte zu ermöglichen. TIERISCH GUT hat sich auf einigen umgesehen – mit von der Partie Mischlingsrüde Kurti, der Hund unserer Autorin.

Unseren Hundewiesencheck starten wir auf der Hundewiese außerhalb von Weiterstadt, in der Nähe der Justizvollzugsanstalt. Mit einer Länge von 130 Metern und einer Fläche von 1750 Quadratmetern gibt es hier viel Platz zum Toben und Rennen – und auch, damit sich die Hunde aus dem Weg gehen können.

Hier ist vor allem ab dem Nachmittag und an Wochenenden viel los. So auch an dem Mittwoch, als die beiden TIERISCH GUT-Testhunde zu Besuch sind: Gegen 17 Uhr ist die Hundewiese noch leer, knapp eine halbe Stunde später tummeln sich mehr als zehn Vierbeiner auf dem Gelände. Viele der Besucher sind regelmäßig hier – man kennt sich.

Brenzlige Situationen zwischen den Hunden kommen aber auch hier gelegentlich vor. „Am Besten ist, man mischt sich gar nicht ein“, meint eine der Besucherinnen, die mit ihrem zwei Jahre alten Schäferhundmix da ist. „Man muss schon gucken“, eine andere, die mit ihrem sechs Jahre alten Rüden nach einem Spaziergang übers Feld vorbeigeschaut hat.

Ein rund zwei Meter hoher Zaun sorgt für Sicherheit. Das untere Ende des Zauns ist unter die Erdoberfläche eingelassen, um zu verhindern, dass sich Hunde „durchgraben“. Es gibt eine Schleuse am Eingang, die verhindert, dass Tiere entwischen. In der Schleuse stehen Kotbeutelspender bereit und mehrere Mülleimer. Nettes Detail: überall am Zaun der Hundewiese sind Kotbeutel festgeknotet – damit man nicht so weit zum Spender laufen muss. Darum kümmern sich die Besucher selbstständig.

Die Hundewiese ist jeden Tag offen, die Türen werden nicht abgesperrt. Das ist auf den beiden anderen Hundewiesen in Weiterstadt anders. In Braunshardt gibt es einen eingezäunten Auslauf am Feldweg in der Verlängerung der Georgenstraße, der aber nur noch Montag bis Donnerstag geöffnet ist. Ab 20 Uhr und von Freitag bis einschließlich Sonntag bleibt die Hundewiese geschlossen. Anwohner hatten sich nach der Eröffnung vor zwei Jahren über Hundegebell, parkende Autos und laute Gespräche beschwert. Wie angespannt die Stimmung hier ist, bekommen auch wir zu spüren. Als wir zunächst aus Versehen auf den Feldweg fahren, sprechen uns mehrere Anwohner verärgert an und sind auch durch Erklärungen und Entschuldigungen nicht zu besänftigen.

Eine Frau, die selbst mit zwei Hunden unterwegs ist, berichtet von nächtlichen Feiern im Sommer, lautem Gebell und zugeparkten Gehwegen. Sie leide auch darunter, dass die Hundewiese jetzt geschlossen ist, weil sie sie auch nicht mehr nutzen kann.

Von Trubel ist an diesem Abend jedenfalls nichts mehr zu spüren – die erste halbe Stunde sind die beiden TIERISCH GUT-Testhunde hier alleine. Später kommen zwei Weiterstädter dazu, die mit ihrer Hündin eigentlich nicht auf Hundewiesen gehen, gerade aber einen Pflegehund bei sich haben und ihm zuliebe vorbeischauen.

Das Gelände ist rund 2000 Quadratmeter groß und mit Wiese bedeckt, ebenfalls hoch umzäunt und mit einer Schleuse versehen. Kotbeutelspender, Mülleimer und eine Bank gibt es ebenfalls. Auch Wassernäpfe stehen bereit. Fazit: Wer in Ruhe mit seinem Hund trainieren will und auch tagsüber Zeit hat, ist hier gut aufgehoben. Aber Achtung: die Beschilderung ist schlecht, es gibt keine Parkplätze direkt an der Hundewiese und die Anwohner reagieren extrem gereizt auf Falschparker.

Auf der Hundewiese zwischen Gräfenhausen und Schneppenhausen in der Nähe des Friedhofs ist dagegen noch was los: wir treffen auf acht Hunde und ihre zwei Besitzerinnen. Drei davon wetzen gemeinsam über die Wiese, ein anderer steht am Zaun und starrt konzentriert auf ein Mauseloch am Boden. Wieder einer scheint konzentriert etwas auf dem benachbarten Feld zu beobachten. Die meisten davon sind Podencos, erklärt uns eine der Besitzerinnen Verena Prager. „Das ist eine spanische Jagdhundrasse.“ Wegen des ausgeprägten Jagdtriebs ist es schwer bis unmöglich, die Hunde im Gelände frei laufen zu lassen. Für Verena Prager und ihre Freundin, die mit ihren beiden Hunden extra aus Rheinhessen anreist, sind Hundewiesen deswegen enorm wichtig.

www.weiterstadt.de

Fünf goldene Regeln für den Hundewiesenbesuch

  1. Den Hund beim Betreten sofort ableinen – so kann der Vierbeiner ungestört kommunizieren und Situationen aus dem Weg gehen.
  2. Hinterlassenschaften des eigenen Vierbeiners wegräumen.
  3. Mit kranken oder ansteckenden Vierbeinern der Hundewiese fernbleiben.
  4. Mit Leckerlis und Spielzeugen vorsichtig umgehen, da Streit entstehen kann.
    Die aushängenden Hundewiesenregeln beachten.

Mit weniger Komfort müssen sich Hundewiesenbesucher in Darmstadt begnügen. Zwei Hundewiesen gibt es in der Stadt.

Das Gelände im Bürgerpark ist vor allem nachmittags und abends rege besucht. Der Nachteil – es gibt nur einen recht niedrigen Zaun, über den viele Hunde mühelos springen können, und keine Schleuse, sodass Vierbeiner hier leicht entwischen können. Es gibt eine Bank und Wassernäpfe, die Wiese ist jeden Tag geöffnet. Direkt neben der Wiese liegt ein Spielplatz. Außerdem passieren Hundebesitzer den angrenzenden Weg im Park mit ihren Tieren. Auf der anderen Seite der Hundewiese führt eine Straße vorbei. Fazit: Wer Sorge hat, sein Hund könnte abhauen, ist hier nicht unbedingt gut aufgehoben.

Die rund 600 Quadratmeter große Hundewiese in der Orangerie liegt am Rand des Parks neben dem Bolzplatz. Auf der einen Seite ist die Wiese von der Orangeriemauer begrenzt, auf der anderen durch einen Zaun. In der ersten Zeit nach der Eröffnung gab es am Eingang keine Tür, sondern eine rund zwei Meter breite Lücke, durch die Hunde ungebremst in den Rest des Parks entwischen konnten.

Nachdem es Probleme gab und sich einige Hundebesitzer mit Nachdruck bei der Stadt dafür eingesetzt hatten, wurde Anfang 2020 ein Tor angebracht. Ob man hier Hunde trifft, ist Glückssache. Tagsüber war Testhund Kurti hier öfters schon alleine. Wenn hier mehrere Hunde toben, wird es außerdem schnell eng. Für große und lauffreudige Hunde reicht der Platz wohl nicht aus. Kostenpflichtige Parkplätze gibt es in der Orangerie. Besser ist der Park aber zu Fuß oder der Straßenbahn zu erreichen. Die Hundewiese ist rund um die Uhr offen. Fazit: wer in der Nähe wohnt, für den ist die Hundewiese praktisch. Ein Highlight, für das es sich lohnt anzureisen, ist sie nicht.

Es geht auch ohne Zaun

Auf dem Gelände der TU Darmstadt an der Lichtwiese sind Hunde ebenfalls vom Leinenzwang befreit. Hier sind vor allem ab dem späten Nachmittag und am Wochenende viele Hunde unterwegs.

Viele Vierbeiner trifft man außerdem auf den weitläufigen Grundwiesen in Walldorf. Die Wiesen werden vom Grundbach durchzogen – am Ende gibt es einen kleinen See. Parken kann man an den Sportplätzen.

Hundewiese vergessen?

Ihre Lieblingshundewiese ist nicht dabei? Oder es wird demnächst eine in Ihrer Stadt oder Gemeinde eröffnet?

Dann schreiben Sie an info@tierischgut-da.de.

In einer der nächsten Ausgaben veröffentlichen wir die gesammelten Hundewiesen.


Einstein unterwegs

Der Darmstädter Stadtkater war Anfang 2022 eine Woche lang verschwunden. Die Roßdörferin Inge Horneff fand Einstein schließlich auf ihrer Terrasse – und hielt den Kater zuerst für ihren eigenen.

Von Mara Pitz

Foto: Tanja Scriba

Stadtkater Einstein kommt rum: Er stromert durch die Darmstädter Fußgängerzone, schlendert durch Geschäfte und an manchen Abenden springt er bei Kneipenbesuchern in der „Krone“ auf den Schoß. Einstein-Fans posten Fotos und Videos von ihm in einer eigenen Facebookgruppe. Um Silvester aber war Einstein für mehr als eine Woche nicht mehr nach Hause zurückgekehrt.

Von all dem wusste Inge Horneff nichts, als sie am 3. Januar eine Katze auf ihrer Terrasse bemerkte. Die 80-Jährige lebt im zehn Kilometer entfernten Roßdorf in einem betreuten Wohnen für Senioren. Nachbarn hatten Inge Horneff bereits am Tag zuvor von einer Katze erzählt. „Sie dachten, es wäre meine“, sagt Horneff im Gespräch mit TIERISCH GUT. Tatsächlich sieht ihr zwölf Jahre alter Maine-Coon-Mix Mailou dem norwegischen Waldkater ähnlich. Dass es nicht Mailou ist, erkannte Horneff aufgrund ihrer Sehbehinderung erst, als sie näherkam. „Ich sehe nur noch vier Prozent“, berichtet sie. Abends saß der Kater immer noch da. Horneff legte ihm eine Decke zum Schlafen auf die Terrasse.

Am nächsten Tag ging alles ganz schnell: Inge Horneffs Tochter Tanja Scriba machte ein Foto von Einstein und postete es in eine Facebookgruppe für vermisste Tiere, wo er prompt erkannt wurde. Anschließend sicherten die beiden Frauen den Kater: „Wir haben einfach die Terrassentür aufgemacht“, berichtet Tanja Scriba. Und Inge Horneff ergänzt: „Der ist schnurstracks rein, zum Napf, hat gefressen und dann ist er einfach auf die Couch gesprungen“, erzählt die 80-Jährige. „Da hat er sich geputzt und gewartet, bis er abgeholt wird.“ Eine Helferin aus der Facebookgruppe brachte „Steini“ wieder zurück zu seinen Besitzern.

Dass da eine Berühmtheit bei ihr auf dem Sofa saß, wusste Horneff nicht. „Er hat sich nicht bei mir vorgestellt“, scherzt sie. Dass er den ganzen Weg nach Roßdorf gelaufen ist, glaubt sie nicht. „Vielleicht hat ihn jemand mitgenommen oder er ist in einen Bus gestiegen.“ Der Kater hat auch bei ihr einen bleibenden Eindruck hinterlassen: „Er ist schon ganz besonders liebenswert.“