Gärten für Mensch und Tier

Kai Brauns bietet Landschaftspflege mit dem besonderen Blick: Der gelernte Gärtner und Tierpfleger weiß, wie sich Schildkröte, Echse und Co im Freien wohlfühlen. Freilandterrarien für Schildkröte und Co sind seine Spezialität.

Von Mara Pitz

Kai Brauns mit Hündin Monster / Foto: Mara Pitz

Jemand, der sich auf das Thema tiergerechter Garten spezialisiert hat, ist Kai Brauns. Der gelernte Gärtner und Tierpfleger, der 15 Jahre lang in verschiedenen Tierheimen gearbeitet hat, hat sich Ende 2020 als Landschaftsgärtner selbstständig gemacht. Unter dem Motto „Gärten für Mensch und Tier“ bietet der 44 Jahre alte Weiterstädter neben klassischer Gartenpflege wie Hecken- und Baumschnitt und der Wiederherstellung verwilderter Gärten auch Beratung rund um tierfreundliche Gartengestaltung. Seine Spezialität sind die Planung und der Bau von Volieren und Freilandterrarien, in denen etwa Schildkröten oder Echsen gehalten werden. „Im Freien hat man einfach viel mehr Platz als drinnen,“ erläutert Brauns die Vorteile. „Und man kann die Gehege natürlicher und größer gestalten.“

Bei Freilandterrarien gehe es vor allem darum, auf wenigen Quadratmetern verschiedene kleine Klimazonen zu schaffen, sagt er. So bietet eine Wasserstelle im Terrarium Lebensraum für Molche und Unken. Steinhaufen und Trockenmauern schaffen dagegen wärmere Bereiche und sind deshalb gut geeignet für Schildkröten und Eidechsen. „Mauereidechsen zum Beispiel brauchen Steine, auf denen sie sitzen und sich in der Sonne aufwärmen können.“ Die richtigen Pflanzen ziehen Insekten an, die wiederum Nahrung für viele andere tierische Gartenbewohner sind.

Schildkröten fressen gerne Pflanzen, die als Unkraut verschmäht werden, wie Löwenzahn, Wegerich und Wildkräuter, erläutert der Gärtner. Einige Gewächse erfüllten daneben noch andere Funktionen für die Tiere: Rosmarin zum Beispiel sei gut für den Panzer. „Wenn die Schildkröte durch die Pflanzen durchkrabbelt, wird der durch die Öle darin gepflegt.“ Das sei viel besser als den Schildkrötenpanzer von Hand mit Öl einzureiben, sagt Brauns. „Denn das Öl verhindert die Atmung, die über den Panzer stattfindet.“

Dabei machten viele Schildkrötenhalter schlicht aus Unwissenheit Fehler in der Haltung. Das liegt auch daran, dass die Tiere leicht 80 bis 100 Jahre alt werden können und deswegen ihre Ersthalter überleben. „Viele Schildkrötenbesitzer haben sich das Tier gar nicht selbst angeschafft, sondern geerbt, und kennen sich deswegen nicht richtig aus.“

Tigersalamander im schattigen Gehege / Foto: Kai Brauns

Bei Fragen zur Haltung berät Brauns Tierbesitzer. Nicht immer ist viel Aufwand nötig, um etwa ein bestehendes Terrarium zu optimieren. „Oft kann man mit wenigen Materialien, die die Kunden schon im Garten haben, sehr viel bewirken“, sagt Brauns.

Zu seinen Kunden zählen vor allem ältere Menschen in Darmstadt und Umgebung, die sich nicht mehr selbst um Beschnitt und Rasen kümmern können. Aus kleineren Routine-Arbeiten wird dann aber auch mal mehr – so wie bei dem Senior, der Brauns beauftragte, „mal was Anderes“ aus dem langweiligen Vorgarten zu machen: Eine Spirale aus weißen Kieseln wird jetzt gesäumt von Tulpen, um die eine Bienenweide angelegt wurde. „Spätestens im Sommer wird der Garten voller Bienen, Hummeln und Schmetterlingen sein.“

Pragmatisch und platzsparend ist die Holzkonstruktion, die Brauns für einen Balkon gebaut hat: Sie ist Sitzbank, Hochbeet und Kratzbaum mit Schlafnische für die Katze des Hauses in einem.

Brauns Leidenschaft gilt den Molchen und Echsen. Neben seinen beiden Hunden hält er „sehr viele davon“ bei sich zuhause in Gräfenhausen und hat rund 20 Jahre Erfahrung mit Terrarien. In seinem Keller hält er einige der unter Artenschutz stehenden Amphibien. Diese stammen allesamt aus Zuchten. Die Exemplare in seinen Freiland-Terrarien sind dagegen einfach so in den Teichen in seinem Garten eingezogen, berichtet er. Denn Molche werden von Wasserstellen angezogen und suchen sich ihren Lebensraum im Garten selbst. „Aber sie brauchen die Feuchtigkeit und können ohne nicht so weite Strecken von Garten zu Garten zurücklegen.“ Wenn in jedem Garten eine kleine Wasserstelle wäre, hätten es viele Wildtiere einfacher, fasst Brauns zusammen.

Foto: Mara Pitz

Gärten zum Wohlfühlen

Sommerzeit ist Gartenzeit – doch wie kann man das heimische Grün so gestalten, dass sich Mensch und Tier dort wohlfühlen? Antworten gibt es auf den folgenden Seiten.

Mit ein paar Tricks lässt sich vor der Haustür ein Idyll für Schmetterlinge, Bienen und Vögel schaffen. Das ist leichter als gedacht, schön anzusehen – und leistet einen Beitrag zum Artenschutz.

Ein akkurat gepflegter Garten mit englischem Rasen – und mittendrin ein imposantes Vogelhaus. Wenn sich hier kein Piepmatz blicken lässt, ist das kein Wunder. Denn zu einem vogelfreundlichen Garten braucht es mehr, erklärt Gärtner und Tierpfleger Kai Brauns. Die Tiere brauchen Nahrung in Form von Insekten, vor allem aber Rückzugsmöglichkeiten und Verstecke in Sträuchern und Büschen. „Sonst schaut der Vogel nach oben, sieht den Turmfalken und hat Angst, selbst zum Vogelfutter zu werden“, erklärt der Weiterstädter, der sich auf tiernahe Gartengestaltung spezialisiert hat (Link zum Beitrag  http://tierischgut-da.de/blog/2022/gaerten-fuer-mensch-und-tier/ ‎). Doch wie kann man einen Garten möglichst naturnah gestalten?

Ein naturnaher Garten fängt damit an, dass man Insekten einen Lebensraum bietet. Und das geht am besten, in dem man Natur zulässt. Fürs erste genügt schon eine wilde Ecke, die man nicht mäht und nicht betritt. Hier können Brennnesseln, Gräser und Klee sich ausbreiten, die lebenswichtig für viele Insektenarten sind. Darauf weist der Naturschutzbund (Nabu) hin. Wer Baumschnitt, Laub und Co nicht entsorgt, sondern an einem regengeschützten Fleck, etwa zwischen Sträuchern oder an der Hauswand sammelt, lädt Igel ein. Im Frühjahr erwachen die stacheligen Tierchen aus ihrem Winterschlaf, ab Juni ziehen sie ihre Jungen auf.

Bei der Pflanzenauswahl sollte man auf heimische Pflanzen zurückgreifen: Haselnuss, Weißdorn, Schlehe, Faulbaum, Buche, Wildapfel und Schneeball ziehen Schmetterlinge, Käfer und andere Insekten an, empfiehlt der Naturschutzbund (Nabu). Nicht nur Nektar und Pollen, sondern auch die Stängel und Blätter sind wichtig für Insekten. Denn daraus werden Nester gebaut oder sie werden von Raupen gefressen. Besonders vogelfreundliche Pflanzen sind laut Nabu heimische Gehölze wie Eberesche, Weißdorn, Kornelkirsche und Felsenbirne.

Ein Wildblumenbeet sorgt darüber hinaus für farbenfrohe Hingucker im Garten und ist noch dazu pflegeleicht. Denn heimische Stauden sind winterhart, wenig anfällig für Pilze und müssen nur ein Mal im Jahr zurückgeschnitten werden. Im Frühjahr, wenn der Garten zu neuem Leben erwacht, schlüpfen die Insekten, die in den Halmen der Wildblumen überwintert haben. Die Auswahl an heimischen Stauden ist riesig. Der Nabu empfiehlt unter anderem Wiesensalbei, Moschusmalve, Glockenblume und Akelei. Wichtig ist dabei, die Blühfolge der ausgewählten Pflanzen zu beachten, damit Insekten möglichst immer Nahrung finden. Die Fetthenne zum Beispiel blüht recht spät im Jahr und ist somit eine wichtige Nahrungsquelle für Schmetterlinge, die dann ihre Flugzeit haben.

Mit Insektenhotels lassen sich zusätzliche Lebensräume und Überwinterungshilfen schaffen. Es gibt sie mittlerweile im Handel fertig und als Bausatz zu kaufen. Sie lassen sich aber auch mit ein wenig Geschick selbst bauen.

Zu einem naturnahen Garten gehören laut Umweltschützern vom Nabu auch unbedingt Frühblüher wie Narzissen, Schneeglöckchen oder Krokusse. Sie sind nicht nur schön anzusehen, sondern auch lebensnotwendig für früh fliegende Insekten. Doch Hundebesitzer sollten hier aufpassen: Denn viele Blumenzwiebeln sind giftig für die Vierbeiner. Vor allem im Frühjahr und im Herbst häufen sich die Vergiftungsfälle, berichtet der Tierschutzverein „Aktion Tier“. Denn in beiden Jahreszeiten werden üblicherweise die Sommer- beziehungsweise Frühlingsblüher unter den Zwiebelpflanzen eingesetzt. Die beim Gärtnern herumliegenden Zwiebeln lockten etwa spielende Hunde an - meist unbemerkt von den Besitzern. Sie würden bei den ersten Vergiftungsanzeichen dann auch nicht direkt an die Blumenzwiebeln denken. Wenn Tiere die Zwiebeln gefressen haben, sollten ihre Besitzer mit ihnen schnellstmöglich einen Tierarzt aufsuchen, warnt die Aktion Tier. Für Katzen sind dagegen unter anderem Oleander und Christrose gefährlich, warnt Sabine Ruthenfranz, die ein Buch über „Katzenpflanzen“ geschrieben hat.

Wasser im Garten lockt weitere Wildtiere an und dient als Tränken für Insekten und Vögel. Ein Gartenteich sollte so gestaltet sein, dass Molche, Frösche und Igel bequem an das Wasser herankommen. Der Uferbereich sollte nicht zu steil sein, um die Tiere vor dem Ertrinken zu schützen, heißt es in „Mein schöner Garten“. Zusätzliche Ausstieghilfen wie Bretter oder Äste am Rand helfen Igeln und Co. Steine und Steinhaufen am Rand werden von Insekten und Eidechsen gerne als Ruheorte angenommen. Am richtigen Ort und mit der passenden Bepflanzung kann ein Gartenteich völlig ohne Technik auskommen, so der Naturschutzbund. Ein tierfreundlicher Gartenteich sollte demnach außerdem mindestens 80 Zentimeter tief sein, damit Tiere am Grund überwintern können – und darf in der kalten Jahreszeit nicht komplett zufrieren.

Ohne Teich tut es auch eine Tränke: Perfekt für Vögel ist eine halbschattig platzierte Tränke, die zwei bis zehn Zentimeter hoch mit Wasser befüllt wird, so der Nabu. Sie sollte regelmäßig befüllt und nur mit Wasser gereinigt werden. Für Insekten kann man kleinere Gefäße mit Wasser im Garten aufstellen – Steine darin dienen als Landeplatz und Rettungsinseln.

Wichtig nicht nur für Katzenbesitzer: Die Wasserstelle sollte so platziert werden, dass keine Katze sie erreichen kann. Denn freilaufende Samtpfoten machen nicht an der eigenen Gartenpforte Halt und sind eine ernstzunehmende Gefahr für Wildvögel. Übrigens kann es sich auch lohnen, ein Katzenhaus für Samtpfoten im Garten aufzustellen - entweder als Rückzugsort für den eigenen Freigänger oder als Unterschlupf für freilebende Katzen in der Nähe. Darauf weist der Deutsche Tierschutzbund hin. Um eine Katzenschutzkiste selbst zu bauen, braucht man eine große Styroporkiste, Folie aus dem Baumarkt, etwas Stroh und eine Decke. Eine ausführliche Bauanleitung mit Video gibt es auf findefix.com.

Trotz der Kritik am Anfang des Texts: Auch Vogelhäuser und Nisthilfen sind sinnvoll - wenn der Rest des Gartens passt.

Hörtipp

In dem Podcast „Grünstadtmenschen“ des Magazins „Mein schöner Garten“ geben die Expertinnen Karina Dinser-Nennstiel und Antje Sommerkamp passend zur Jahreszeit Garten-Tipps. Folge 44 dreht sich um das Thema Haustiergarten.

Dont's im Garten

Diese drei Dinge sollten im tierfreundlichen Garten tabu sein.
1. Gift spritzen: Gift ist im wahrsten Sinne des Wortes Gift für die Artenvielfalt und zudem gefährlich für Mensch und Vierbeiner.
2. Nur sterile Pflanzen wählen: Exotische Pflanzen wie die Forsythie oder Bambus bieten heimischen Insekten keine Nahrung.
3. Alles aufräumen: ein englischer Rasen ist eine Wüste für Wildtiere.

 


Auf das Huhn gekommen

Hühner sind abenteuerlustig, geschickt – und liegen im Trend. Immer mehr Menschen träumen vom Ei aus dem eigenen Garten – es gibt verschiedene Wege, ihn sich zu erfüllen.

Von Mara Pitz

Hühner sind viel mehr als Eierproduzenten. Sie sind abenteuerlustig, geschickt - und sie boomen. Michael Lüft aus Seligenstadt (Kreis Offenbach) hat daraus ein Geschäft gemacht. Seit 2013 betreibt Lüft seine Firma „Rent a Huhn“. Er verleiht Hühner, immer fünf Stück, inklusive Stall und mobilem Zaun, und das bundesweit. Knapp 100 Euro kostet das pro Woche. Dafür bekommt man – im Schnitt – drei Eier pro Tag, die man aus dem angebauten Nistkasten lesen kann.

Wer sich von Lüft Hühner mieten will, muss mindestens 20 Quadratmeter Freilauf auf unbefestigtem Boden bieten. Weil Hühner Herdentiere sind, werden sie mindestens zu fünft vermietet. Etwa die Hälfte von Lüfts Kunden sind Institutionen: Kindergärten, Altenheime, Behinderteneinrichtungen. Die andere Hälfte der „Rent a Huhn“-Kunden sind Privatleute. Meistens Familien, die sich nach ein bisschen Landleben im eigenen Garten sehnen. Oder Großeltern, die den Enkeln in den Sommerferien eine Freude machen wollen. Manche davon überlegen, sich dauerhaft Hühner anzuschaffen und sehen die Miethühner als Testlauf.

Auf seine Geschäftsidee kam Lüft, der mit Hühnern großgeworden ist, mehr durch Zufall. Ein Junge aus der Nachbarschaft hatte sich gewünscht, mal für eine Woche Hühner auszuleihen. Das war 2012. Als der gelernte Schornsteinfeger ein Jahr später „Rent a Huhn“ mit gerade mal 25 Hennen gründete, war das nach eigener Aussage der erste Betrieb dieser Art in Deutschland. Mittlerweile gibt es zahlreiche Nachahmer in ganz Deutschland. Nicht nur ihr Angebot ähnelt dem von Lüft, auch die Namen klingen ähnlich: „Huhn to go“, „Chicken to go“ oder schlicht „Miete ein Huhn“.

Foto: Michael Lüft

Hühner in der Stadt – für Trendforscher ist das Teil der Entwicklung, sich bewusster mit der Herkunft unserer Nahrung zu beschäftigen. Die Menschen reagieren damit auf die hoch technisierte Lebensmittelproduktion und auf die vielen Skandale der Massentierhaltung. Und immer mehr Menschen beschäftigen sich damit, wie ihre Lebensmittel produziert werden und unter welchen Bedingungen Nutztiere leben. Das zeigt sich auch an der steigenden Zahl von Vegetariern: Der Anteil der Deutschen, die auf Fleisch verzichten, hat sich im Jahr 2020 im Vergleich zum Vorjahr verdoppelt. Heute lebt laut Meinungsforschungsinstitut Forsa jeder zehnte Deutsche vegetarisch.

Dass Hühner unterschätzt werden, ist mittlerweile übrigens wissenschaftlich belegt. Biologen der Macquarie University im australischen Sydney fanden heraus, dass Hühner in der Lage sind, vorausschauend zu handeln. Eine Henne im Labor entriegelte das Schloss ihres Käfigs. Mehrmals änderten die Wissenschaftler den Schließmechanismus, jedes Mal entkam sie. Ihr Antrieb: Sie wollte in die Nähe eines Bildschirms kommen, auf dem ein Film mit einem besonders prächtigen Hahn lief.

Experimente mit Plastikeiern zeigten, dass schon frisch geschlüpfte Küken zwischen großen und kleinen Mengen unterscheiden können. Außerdem sind Hühner im Stande, sich die Flugbahn eines Balls für drei Minuten zu merken. So lange schaffen das auch Primaten und Kleinkinder.

Außerdem entlarvten Forscher das taktische Geschick des Federviehs. Ein Alpha-Hahn etwa gackert, um die Hennen seiner Herde vor natürlichen Feinden wie Habichten zu warnen. Ist ein zweiter Hahn in der Nähe, geht er in Deckung, um anschließend besonders lautstark Alarm zu schlagen. Offenbar spekuliert der Alpha-Hahn darauf, dass der Greifvogel den Rivalen bemerkt und ihn ausschaltet.

Hähne vermietet Michael Lüft übrigens nicht – sie krähen einfach zu laut für deutsche Wohnsiedlungen. Lüfts rund 300 Miethennen haben von April bis Oktober Konjunktur, den Winter verbringen alle Tiere als Legehennen auf dem Hof. Sein Vermietservice ist so gefragt, dass er längst nicht mehr alle E-Mails beantworten kann. „Die Anfrage reißt nicht ab“, berichtet er. Anfangs bot er noch einen Lieferservice an und fuhr die Tiere durch ganz Deutschland, aber das schafft er schon lange nicht mehr. Mittlerweile holen die meisten Kunden die Tiere bei ihm in Seligenstadt ab. Im ersten Corona-Lockdown habe es viele Absagen von Schulen und Kindergärten gegeben. Die ausgefallenen Aufträge wurden dann aber schnell von Privatkunden aufgefangen. „Die Kindern waren ja zuhause, da waren die Hühner im Garten eine gute Beschäftigung.“ Das Interesse ist so groß, dass Lüft noch mal zehn weitere Hühnerhäuschen baute. Insgesamt 66 sind jetzt im Angebot. Wie viele seiner Privatkunden sich danach dauerhaft für Hühner im eigenen Garten entscheiden, kann Lüft schlecht einschätzen.

Wer dies tut, kann dabei gleich noch etwas Gutes tun und Legehennen zu einem zweiten Leben verhelfen. Hierfür setzt sich der „Rettet das Huhn e. V.“ ein. Der als gemeinnützig anerkannte Verein übernimmt seit 2015 Legehennen aus Massentierhaltung, die sonst geschlachtet würden, und vermittelt sie an Privatpersonen. Nach eigenen Angaben rettet der Verein so jedes Jahr bundesweit rund 12.000 Hennen vor dem Schlachthof.

Fakten zum Federvieh

15 Jahre beträgt die maximale Lebenserwartung eines Huhns.
1,5 Jahre alt werden die meisten Legehennen, wenn sie geschlachtet werden.
8 bis 30 Eier im Jahr legte die Wildform des heutigen Huhns.
108 Zwerghuhnrassen sind in Deutschland registriert.
111 Großhühnerrassen waren 2016 in Deutschland registriert.
6.000 Legehennen dürfen in konventioneller Haltung in einem Stall leben.
2 Meter hoch können Hühner fliegen.
9 Hennen kommen in Bodenhaltung auf einen Quadratmeter Stallfläche.
100 Tiere oder weniger zählen Herden, indenen sich Hühner wohl fühlen.
3000 Jahre vor Christus hielten Menschen in Indien bereits Hühner.
300 Eier im Jahr produziert eine Legehenne.
20 Milliarden Hühner gibt es auf der Welt – das bedeutet, dass auf jeden Menschen 2,5 Hühner kommen.

Buchtipp: Hühner Liebe

Foto: GU Verlag

Tipps zur Hühnerhaltung von Gehege über Fütterung bis hin zur Anleitung, wie man ein Huhn möglichst schnell und stressfrei für das Tier einfängt, bietet der Ratgeber „Hühnerliebe“ von Katharine von der Leyen. Das ansprechend gestaltete Buch erklärt anschaulich und mit vielen Bildern, worauf es bei der Hühnerhaltung ankommt. Auch erfahrene Hühnerhalter können hier noch etwas über das Federvieh lernen. Mit Rezepten rund ums Ei.

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Der Darmstädter Stadtteil Bessungen hat eine besondere Verbindung zu Kaninchen. Denn der Spitzname der Bessunger „Lappings“ kommt vom französischen Wort für Kaninchen lapin. Der Begriff entstand wohl zur Zeit der französischen Besatzung Ende des 18. Jahrhunderts. Laut Darmstädter Stadtarchiv reichen seine Wurzeln aber bis ins 16. Jahrhundert, als Landgraf Georg I. in den Sanddünen Bessungens Wildkaninchen ansiedeln ließ. Er wollte damit den Fleischbedarf der rasch wachsenden Bevölkerung decken. Ein erster Versuch scheiterte um das Jahr 1571: Füchse rissen die Kaninchen. Ein zweiter Versuch wenige Jahre später verlief erfolgreich. Zu erfolgreich, denn die ausgewilderten Kaninchen vermehrten sich in Bessungen unkontrolliert und wurden zu einer Plage. Es wurde eine Prämie für jedes erlegte Kaninchen ausgesetzt. Heute sind die Tiere zwar keine Plage mehr. Ein echter Bessunger wird trotzdem bis heute „Lapping“ genannt. Und immer noch ziert bei der Bessunger Kerb ein Kaninchen den Kerwebaum. Bis vor rund 15 Jahren hing ein toter Hase am Kranz. Mittlerweile wurde dieser ersetzt durch einen Stoffhasen mit Möhre. Man sagt, dass die Nachfahren der damals ausgesetzten Kaninchen bis heute den Darmstädter Süden bevölkern. Besonders viele von ihnen sieht man etwa in der Heimstättensiedlung in der Nähe des Sportgeländes des SKV Rot-Weiß.

Anspruchsvolle Langohren

Kaninchen gelten als Einsteigerhaustiere ohne große Ansprüche – zu Unrecht. TIERISCH GUT klärt die häufigsten Irrtümer über die süßen Mümmelmänner auf und zeigt, für wen sie wirklich geeignet sind.

Von Mara Pitz

Leonie Jung und Kathrin Hentzschel

Kaninchen gehören zu den beliebtesten Haustieren. Schätzungsweise drei Millionen Exemplare leben in deutschen Haushalten. Ihre Vorzüge liegen auf der Hand: Sie fordern keine täglichen Gassirunden ein, sind nicht teuer in der Anschaffung und man braucht keine Zustimmung des Vermieters, um sie halten zu dürfen. Und dann sind sie mit ihren Kulleraugen und den langen Ohren einfach sehr, sehr niedlich. Zwergkaninchen gelten als einfach zu halten und anspruchslos. Das ist ein großes Missverständnis, sagen dagegen Leonie Jung und Kathrin Hentzschel. Die beiden Frauen halten selbst seit Jahren Kaninchen und engagieren sich in dem Verein „Kaninchenberatung e. V.“, der bundesweit Haltern mit Rat und Tat zur Seite steht. Leonie Jung und Kathrin Hentzschel haben es sich zur Aufgabe gemacht, über die missverstandenen Mümmelmänner aufzuklären. Doch was sind die größten Irrtümer? TIERISCH GUT ist sie mit den beiden Expertinnen durchgegangen.

Kaninchen sind nicht so anspruchsvoll.

Kaninchen werden einfach viel zu oft unterschätzt, sagt Leonie Jung, die mit ihrem Mann, dem dreijährigen Sohn und vier Kaninchen in Dieburg lebt. „Sie sind was die Haltung angeht, mindestens genauso anspruchsvoll wie Katzen.“ Man könne sie auch als „vegane Katzen“ bezeichnen. Das Problem: Kaninchen leiden häufig still, weshalb ihre Unzufriedenheit oft unbemerkt bleibt. Manchmal äußert sie sich auch durch Aggressivität oder Futterneid gegenüber Artgenossen.

Kaninchen können alleine gehalten werden. Dieser Irrglaube ist glücklicherweise nicht mehr so weit verbreitet wie früher, sagt Kathrin Hentzschel, die in Neuhofen in der Pfalz lebt und ihren Kaninchen einen Wintergarten hergerichtet hat. Und das sei enorm wichtig, denn: „Ein Mensch kann niemals einen Artgenossen ersetzen.“ Zwergkaninchen stammen von Wildkaninchen ab, die in unterirdischen Bauten in großen Gruppen zusammenleben. Kaninchen putzen sich gegenseitig, schlafen aneinandergekuschelt und spielen miteinander. Deswegen müssen Kaninchen stets mindestens zu zweit gehalten werden. Der Deutsche Tierschutzbund rät sogar zur Kleingruppenhaltung von drei bis fünf Tieren.

Foto: Kathrin Hentzschel

Kaninchen kann man im Käfig halten.

„Eine reine Käfighaltung wird dem Bewegungsbedürfnis von Kaninchen nicht gerecht“, stellt Leonie Jung klar. „Leider werden im Handel immer noch Käfige mit 1,20 Meter Länge angeboten.“ Das sei viel zu klein, sagt Jung. Das Gehege für ein Kaninchenpaar sollte laut Hentzschel und Jung mindestens vier Quadratmeter groß sein, „eher mehr“. Bei größeren Rassen ab drei Kilogramm Körpergewicht sollte man mit sechs Quadratmeter rechnen. Für jedes weitere Kaninchen kommen zwei Quadratmeter hinzu. Neben der notwendigen Einrichtung wie Toilette, Futter- und Trinknapf und Heuraufe benötigen die Kaninchen in ihrem Gehege ausreichend Versteck- und Spielmöglichkeiten, damit ihnen nicht langweilig wird.

Kaninchen können im Winter nicht draußen gehalten werden.

Foto: Kathrin Hentzschel

Das Gegenteil ist der Fall: Die Außenhaltung ist die artgerechteste Form der Kaninchenhaltung, sagen die Kaninchenberaterinnen. Auch laut dem Tierschutzbund können Kaninchen das ganze Jahr über draußen in einem gesicherten Freigehege verbringen. Generell sind sie für Kälte viel weniger anfällig als für Hitze. Wichtig ist aber, dass Kaninchen rechtzeitig auf den Winter im Freien vorbereitet werden. Spätestens bis Ende August sollen die Tiere an die Außenhaltung gewöhnt werden. Ab dann sollten die Kaninchen nicht mehr ins Haus geholt werden, auch nicht mehr für wenige Minuten am Tag. Beginnt man im Frühjahr mit der Außenhaltung, dürfen die Tiere hinaus, wenn die Temperaturen nicht mehr unter zehn bis 15 Grad fallen. Wer keinen Garten, aber genügend Platz im Haus hat, kann den Kaninchen ein ganzes Zimmer einrichten. Aber auch eine Haltung auf dem Balkon, auf der Terrasse oder im Wintergarten ist denkbar.

Kaninchen und Meerschweinchen sind tolle Partner.

Dieser Irrtum hält sich besonders hartnäckig, wissen die Kaninchenberaterinnen. Dabei sind die beiden Arten so grundverschieden, dass sie sich bestenfalls dulden. Kaninchen sind etwa in der Dämmerung aktiv, Meerschweinchen tagsüber. Kaninchen leben ohne Laute, während Meerschweinchen sich durch gurren, quieken oder glucksen verständigen. Beide Arten kommunizieren zwar mit Düften, können aber mit den Gerüchen der jeweils anderen nichts anfangen. Missverständnisse oder gar Aggressionen sind vorprogrammiert, wobei Meerschweinchen oft den Kürzeren ziehen. „Wenn man Kaninchen und Meerschweinchen zusammenhält, dann immer mehre Exemplare einer Art“, rät Leonie Jung. „Außerdem sollte man den Meerschweinchen Rückzugsräume im Gehege schaffen, zu denen die Kaninchen aufgrund ihrer Größe keinen Zugang haben.“ Noch besser ist es aber, sich von vorneherein für eine der Arten zu entscheiden, empfiehlt auch der Deutsche Tierschutzbund.

Man kann Kaninchen nicht frei im Zimmer laufen lassen.

Viele Menschen haben Bedenken, dass die Tiere überall ihren Kot fallen lassen oder Möbel anknabbern. „Nicht alle Kaninchen knabbern alles an“, sagt Jung. Hier gebe es Unterschiede je nach Charakter. Die meisten Kaninchen werden stubenrein und gehen auf ihre Kaninchentoilette, so die Beraterinnen. Wer sein Kaninchen frei im Zimmer laufen lässt, muss aber auf jeden Fall Stromkabel gut sichern. Auch Zimmerpflanzen sollten außerhalb der Reichweite gebracht werden, denn die sie sind in aller Regel giftig für die Tiere, erklärt Leonie Jung. Eine Ausnahme bildet die Grünlilie. „Sie kann ohne Bedenken verfüttert werden.“

Kaninchen ernähren sich von Trockenfutter und Karotten.

Karotten mögen Kaninchen zwar sehr, sie sollten aber wegen des enthaltenen Zuckers nicht zu viel davon bekommen. „Das ist wie bei uns mit der Schokolade“, sagt Hentz­schel. Stattdessen benötigen die Tiere ständig rohfasserreiche Nahrung, damit sich ihre stetig nachwachsenden Zähne abreiben können. Die Nahrung sollte in erster Linie aus frischen Kräutern und Gräsern sowie Heu bestehen. Futterpellets aus dem Zoofachhandel sind ungeeignet, sagt Kathrin Hentzschel, weil sie meist fast zu 100 Prozent aus Getreide bestehen. Auch viele Leckerlis aus dem Handel sind ungeeignet, ebenso hartes Brot. Ergänzt wird die Kaninchen-Ernährung durch Gemüse und Obst in Maßen.

Das Verdauungssystem von Kaninchen ist darauf angewiesen, ständig frische Nahrung zu bekommen. Ihr Darm hat keine Eigenmuskulatur, der den Nahrungsbrei weiterbewegt. Stattdessen muss ständig Nahrung „von oben“ nachkommen. Man spricht auch vom „Stopfdarm“ und „Stopfmagen“. Ein Kaninchen frisst deswegen quasi den ganzen Tag: Innerhalb von 24 Stunden nimmt es mehr als 100 kleine Mahlzeiten zu sich. Wenn ein Kaninchen aufhört zu fressen, kann es deswegen sehr schnell gefährlich werden. „Das ist dann sofort ein Fall für den Tierarzt“, warnt Leonie Jung.

Kaninchen sind die perfekten Haustiere für kleine Kinder.

„Kaninchen sind keine Kuscheltiere und werden nur sehr ungern hochgenommen“, stellt Leonie Jung klar. Anders als weitläufig verbreitet sind die Langohren keine Anfängerhaustiere. Deswegen sind sie eher für ältere Kindern geeignet, die Freude am Beobachten haben. Dem Gehege sollte man sich nur langsam nähern und ruhig mit den Tieren sprechen. Häufiges Kuscheln und auf den Arm nehmen kann weibliche Kaninchen sogar krank machen, warnt der Tierschutzbund. Denn Kaninchen haben keinen saisonal geprägten regelmäßigen Eisprung, sondern bekommen ihn erst beim Deckakt - oder durch ähnliche Reize wie einem festen Druck auf den Rücken oder eben Streicheln. Durch die so ausgelösten Scheinschwangerschaften kann es langfristig zu Tumoren an Gesäuge und der Gebärmutter kommen.

Kaninchen sind friedfertige Tiere und verstehen sich immer.

Dass dies nicht stimmt, erleben die beiden Kaninchenberaterinnen ständig. Jung: „Meistens werden wir gerufen, wenn es Probleme zwischen Artgenossen gibt.“ Kaninchen fechten ihre Rangordnung in Kämpfen aus, die heftig aussehen können. „Da fliegt schon mal Fell, und viele Besitzer wissen dann nicht: Soll ich eingreifen oder es laufen lassen?“, berichtet Jung, die selbst vor Jahren wegen Kämpfen zwischen ihren Tieren Hilfe bei der Kaninchenberatung suchte, bevor sie Teil des Beraterteams wurde. Tatsächlich sind viele Konflikte zwischen Kaninchen harmloser als sie aussehen, erklärt Jung. Manchmal müsse man Kleinigkeiten in der Haltung ändern. In anderen Fällen haben die Menschen aber auch schlicht den falschen Partner für ihr Kaninchen ausgesucht. Dies passiert etwa, wenn nach dem Tod eines Kaninchens ein neuer Partner für das verbliebene Tier ins Haus geholt wurde, der charakterlich partout nicht passt.

Foto: Kathrin Hentzschel

Für solche Situationen gibt es bei Facebook spezielle „Partnerbörsen“ für Kaninchen, wo Halter den passenden Partner für ihr „verwitwetes“ Tier suchen. Der Vorteil: „Der Vorbesitzer kennt die Tiere sehr gut und kann ihre Charaktereigenschaften gut beschreiben.“ Die Gruppen nennen sich „Kaninchen Partnerbörse“, „Kaninchenglück – Gemeinsam statt einsam“ oder „Ältere Kaninchen wollen glücklich sein“ und haben mehrere tausend Mitglieder. „Solche Gruppen sind sehr sinnvoll“, sagt Hentzschel. Auch ein Kaninchen aus dem Tierschutz ist eine gute Option. „Die Tierheime sind voller Kaninchen, weil sie so oft unüberlegt angeschafft und dann wieder abgegeben werden.“ Die Pfleger könnten auch beraten, welches Zweitkaninchen zum Ersttier passen könnte.

Übrigens können auch zwei Männchen miteinander gehalten werden. Sie sollten aber kastriert werden. Dies sollte man auch in Konstellationen mit einem Weibchen tun, denn sonst hat man schnell eine ganze Kaninchenschar zuhause. „Es ist kein Zufall, dass es heißt, die vermehren sich wie die Karnickel“, sagt Kathrin Hentzschel.

Mehr Infos zur Kaninchenhaltung

Der Verein Kaninchenberatung e. V. gibt auf seiner Seite umfassende Tipps zur Anschaffung, Haltung und Ernährung. Über die Seite kann man auch Kontakt zu Leonie Jung, Kathrin Hentzschel und den anderen Experten in ganz Deutschland aufnehmen. Die Beratungen finden online oder bei Hausbesuchen statt und sind kostenlos. Es gibt auch ein vereinseigenes Handbuch „Meine Kaninchen“, das über die Website bestellbar ist. www.kaninchenberatung.de

Informationen rund um die Kleintierhaltung und speziell zu Kaninchen bietet auch der Deutsche Tierschutzbund, inklusive kostenloser Broschüren zum Download. www.tierschutzbund.de

Foto: GU Verlag

Buchtipp | Verlosung

Gabriele Linke-Grün beantwortet in ihrem Buch „300 Fragen zum Zwergkaninchen“ ebendiese übersichtlich und anschaulich. Erschienen im GU Verlag, 256 Seiten, 12,99 Euro. TIERISCH GUT verlost zwei Exemplare des Buches. Schickt uns ein Bild von Euch und eurem Langohr bis 29.04.2022 per E-Mail an info@tierischgut-da.de

Für alle, die es nicht abwarten können und wollen. Hier könnt Ihr das Buch direkt bestellen, über den Affiliate-Link: https://circl.link/ref/iXUzr

Wissen: Kaninchen oder Hase?

Feldhase

Kaninchen und Hase werden oft verwechselt. Ein „Stallhase“ ist zum Beispiel eigentlich ein Kaninchen. Und Fotos von „Osterhasen“ zeigen ganz oft Kaninchen. Aber was ist denn nun der Unterschied zwischen einem Kaninchen und einem Hasen? Zunächst mal zu den Gemeinsamkeiten: Kaninchen und Hasen gehören zur Familie der Hasen (lat. Leporidae). Diese Familie zählt mehr als 50 Arten, zu denen auch der Feldhase und das Wildkaninchen sowie dessen Zuchtform, das Zwegkaninchen gehören. Abgesehen davon sind Hasen und Kaninchen ziemlich unterschiedlich. Hasen sind etwas größer, haben längere Ohren und im Vergleich zum restlichen Körper längere und kräftige Hinterläufe. Hasen sind im Gegensatz zu Kaninchen Einzelgänger. Sie graben keine unterirdischen Bauten, sondern ruhen in flachen Bodenmulden, in der Jägersprache auch „Sasse“ genannt. Daran erinnert auch das Kinderlied „Häschen in der Grube“. Vor Fressfeinden rennt der Hase davon, während sich das Kaninchen in den Bau zurückzieht. Außerdem sind Hasen Nestflüchter: Ihre Jungen kommen nach einer längeren Tragzeit bereits mit Fell und geöffneten Augen auf die Welt. Schon Minuten nach der Geburt verlassen sie das Nest. Kaninchen dagegen werden nackt und mit geschlossenen Augen geboren. Feldhase und Kaninchen gehören zur Familie der Hasen mit mehr als 50 Arten.


Welcher Verein macht das?

Der Start für viele Neuhundebesitzer ist die Welpengruppe. In diesen Stunden lernt das Hundebaby spielerisch, mit anderen Artgenossen umzugehen.

Der Welpe trifft auf Vertreter anderer Rassen und kann den Umgang mit ihnen üben. Das kann späteren Missverständnissen mit Artgenossen vorbeugen. Wichtig ist, dass die Gruppe von einer geschulten Person geleitet wird, die eingreift, wenn das Spiel zu wild wird oder ein Hund gemobbt wird. In einer guten Welpenstunde wird auch der Umgang mit verschiedenen Untergründen und Umweltreizen erprobt, so der Verband für das Deutsche Hundewesen (VDH). Ein Ausflug an ungewohnte Orte wie in ein Einkaufszentrum oder an eine vielbefahrene Straße kann demnach helfen, den Welpen fit für den Alltag zu machen. Die Teilnahme an einer Welpengruppe wird ab dem Alter von acht bis 16 Wochen empfohlen, hängt aber vom Entwicklungsstand und dem Charakter des Hundes ab.

Auf die Welpengruppe folgt ab einem Alter von etwa 16 Wochen die Junghundegruppe. Hier werden die Sozialisation und das Training aus der Welpengruppe fortgeführt. Im kontrollierten Freilauf lernt der Hundehalter die Körpersprache seines Hundes besser lesen.

In der Grunderziehung lernt der Hund die gängigen Grundkommandos. Neben Sitz, Platz und Bleib zählt hierzu vor allem das Laufen an der Leine (Leinenführigkeitstraining) und ein sicherer Rückruf (Rückruftraining). Die Grunderziehung kann entweder in Einzeltraining oder in Gruppen erfolgen. Gruppentraining bietet den Vorteil, dass die Kommandos auch unter Ablenkung durch Artgenossen und andere Menschen eingeübt und gefestigt werden können.

Darüber hinaus gibt es zahlreiche Möglichkeiten, wie man sich mit seinem Hund beschäftigen kann. Beim Agility muss der Hund möglichst schnell und fehlerfrei einen Parcours aus Hindernissen überwinden.

Beim Apportiertraining geht es darum, einen Gegenstand zu finden und zum Menschen zurückzubringen. Bei den Hunde­sportarten Obedience (engl. für Unterordnung) und Rallye Obedience geht es um den Grundgehorsam des Hundes. Beim Longieren läuft der Hund außen um einen Kreis herum und folgt den Kommandos des Hundeführers, der in der Mitte steht.

Seine Nase einsetzen, um einen Menschen zu finden, muss der Hund bei der Fährtenarbeit und beim Mantrailen. Während die Fährtenarbeit ähnlich wie das Apportieren aus der Jagd stammt, geht das Mantrailen auf die Personensuche im Rettungswesen zurück.

Beides wird aber heute auch als reiner Hundesport betrieben.
Wer an Hundesport interessiert ist, für den sind die Vereine eine gute Anlaufstelle. Voraussetzung für jede Art von Hundesport ist eine erfolgreich absolvierte Begleithundeprüfung. In der Regel wird sie in den jeweiligen Vereinen angeboten. Netter Nebeneffekt: Hundehalter in Darmstadt erhalten eine um 50 Prozent ermäßigte Hundesteuer, wenn sie eine Begleithundeprüfung und eine Haftpflichtversicherung nachweisen.

Vereine

Zahlreiche Vereine bieten Erziehungs- und Sportkurse an. Hier eine kleine Auswahl: Der Sporthundeverein Darmstadt-Süd in der Eschollbrücker Straße 200 hat eine große Palette an Kursen im Angebot, von der Welpenstunde bis zur Vorbereitung auf Agility-Turniere und ist offen für Vertreter aller Rassen.

sporthundeverein-darmstadt.de

Ein ebenso weit gefächertes Angebot gibt es beim Schäferhundeverein in der Siedlung Tann. „Auch wenn wir dem Rassehundezuchtverein für den Deutschen Schäferhund angehören und diesen deshalb ganz besonders fördern möchten, stellen wir allen Hunderassen und Mischlingen unser Angebot gerne zur Verfügung“, heißt es auf der Internetseite des Vereins.

svogdarmstadt08.de

Auch beim Darmstädter Teckelklub sind nicht nur Dackel, sondern auch Vertreter anderer kleiner Rassen und Mischlinge willkommen. Der Schwerpunkt der wöchentlichen Gruppenstunde auf dem Gelände in der Siedlung Tann liegt auf der Grunderziehung und der Vorbereitung auf die Begleithundeprüfung. Außerdem bietet der Verein auch Unterstützung bei der jagdlichen Ausbildung. Die Trainingssaison startet am 6. April.

teckelklub-darmstadt.de

Eine Liste mit Hundevereinen gibt es auch auf der Seite des Verbands für das Deutsche Hundewesen:

vereinshunde.de


Hundeerziehung

»Sitz, Platz und Bleib!«

Diese Fachleute helfen bei der Hundeerziehung

Es gibt immer mehr Hunde, auch in und um Darmstadt. Umso wichtiger ist es, dass die Vierbeiner erzogen sind. TIERISCH GUT erklärt die wichtigsten Begriffe aus der Hundeerziehung – und stellt einige Hundetrainer aus Darmstadt und Umgebung vor.

Von Mara Pitz

Der Hund zerrt an der Leine, hetzt Jogger im Park, wütet am Gartenzaun, pöbelt Artgenossen an oder schreddert die Couch, sobald er alleine ist: Bei solchen Problemen bieten Hundetrainer Unterstützung. Viele Menschen besuchen auch vorbeugend eine Hundeschule, damit sich Probleme gar nicht erst entwickeln. Fest steht: Ein gewisses Maß an Erziehung braucht jeder Hund, um alltagstauglich zu sein. Besonders da, wo viele Menschen (und Hunde) auf engem Raum zusammenleben, werden an Hunde hohe Anforderungen gestellt, denn sie müssen mit vielen Reizen umgehen.

Das weiß auch Freya Krautwurst aus Erfahrung. Krautwurst ist seit 22 Jahren Hundetrainerin und hat in dieser Zeit mehr als 1000 Hunde kennengelernt. Mittlerweile beschäftigt ihre Hundeschule Leinelos Hundetraining in Modautal-Asbach fünf Trainer.

Auf dem hundeschuleigenen Gelände finden regelmäßig Spielstunden und Gruppenkurse vom Welpen- bis zum Erwachsenenalter statt, außerdem Aufbaugruppen und Kurse mit speziellen Themenstellungen wie Leinenführigkeit sowie Einzelstunden. „Uns ist es auch wichtig, außerhalb des Geländes zu trainieren“, ergänzt Krautwurst.

„Bei uns steht die Ruhe im Fokus“, erklärt die Trainerin ihre Philosophie. „Für Hundesport gibt es die Vereine, und das ist auch gut so“ (siehe auch Infobox auf S. 15). Stress sei heutzutage ein wichtiges Thema, „sowohl beim Menschen als auch beim Hund“. Deswegen bietet Krautwurst zu diesem Thema ein mehrtägiges Wochenendseminar an.

Die Hundetrainerin arbeitet außerdem als Sozialpädagogin in der Jugendhilfe. Wichtig ist ihr in der Arbeit mit den Hunden der sogenannte systemische Ansatz: Das bedeutet, dass immer auch der Halter und die Familie, in der der Hund lebt („System“), mit betrachtet wird. Außerdem ist ihr wichtig, dass sich die Kunden angenommen und wertgeschätzt fühlen.

Ihre Definition von Hundeerziehung? „Ich führe meinen Hund durchs Leben. Ich weiß, was ich von ihm verlangen kann.“

www.leinelos-hundetraining.de

Ellen Friedrich von der Hundeschule Der Rote Hund fasst ihr Angebot mit „Erziehung und Wandern“ zusammen. Friedrich, die in Weiterstadt lebt und ein Faible hat für Hunde, „die ein bisschen kantiger sind“, trainiert auf dem Gelände der Darmstädter Tierheims und mobil. Ihr Schwerpunkt liegt auf Gruppenstunden.

„Ich denke immer, wenn die Leute zuhause trainieren, ist das ja auch schon Einzeltraining“, erklärt Friedrich. Mehrmals im Jahr organisiert sie mehrtägige Wanderreisen für Kleingruppen mit Hund, etwa in der Eifel oder auf Sylt. Hinzu kommen Tageswanderungen in der Region. Friedrich bietet auch Mantrailing an und hält regelmäßig Abendvorträge, etwa zum Thema „Hund aus dem Tierschutz“ oder „Welpe zu Hause – wie wird aus dem Fremdling ein Süßling?“. Hundeerziehung bedeutet für Friedrich, „dass man sein Leben fest im Griff behält.“

www.derrotehund.de

Zu den größeren Hundeschulen in der Region zählt die Hundeakademie Perdita Lübbe mit Sitz in Griesheim. Perdita Lübbe-Scheuermann gründete sie bereits 1994.

Heute beschäftigt sie insgesamt sechs Trainerinnen. Eine davon ist Frauke Loup. „Das Training findet überwiegend draußen statt, wo auch das Leben ist“, erklärt Loup, wobei der Schwerpunkt auf Einzelstunden liegt. Nur einzelne Gruppenstunden werden auf einem eingezäunten Gelände in Arheilgen abgehalten. Neben Welpen- und Junghundekursen bietet die Hundeakademie Beschäftigungskurse „ohne Wettkampfcharakter“ wie Apportieren und Agility sowie spezielle Kurse zur Aggressionsbewältigung, bei denen mit etwa Leinenbegegnungen mit geschulten Komparsen geübt werden. Überregional bekannt geworden ist die Hundeakademie mit dem Projekt „Start ins neue Leben“, bei dem schwierige Tierheimhunde auf die Vermittlung vorbereitet werden.

www.hundeakademie.de

Ebenfalls in Wald, Flur und Feld rund um Darmstadt unterwegs ist Fee Henrici von der Hundeschule Lieblingshund. Henrici bietet in erster Linie Einzelstunden an, außerdem themenbezogene Gruppenkurse.

„Da geht es dann um Leinenführigkeit, Rückruf und Antigiftködertraining“, erläutert Henrici. Die Kurse seien extra so zusammengestellt, dass die Mensch-Hunde-Teams ungefähr auf dem gleichen Trainingsstand sind. Welpen- oder Junghundegruppen bietet sie bewusst nicht an. Henrici ist außerdem Ernährungsberaterin für Hunde und Katzen.

www.lieblings-hund.de

Tina Banovic hat sich auf doggenartige Hunde, auch Molosser genannt, spezialisiert. In ihrem Hundezentrum Tina Banovic bereitet sie auch Kunden auf den Wesenstest für sogenannte Listenhunde vor. Banovic hat ein eigenes Gelände in Darmstadt-Arheilgen, trainiert aber auch regelmäßig außerhalb.

„Das ist sehr wichtig, damit die Hunde die Alltagsreize kennenlernen.“ Etwa drei Viertel ihrer Trainingseinheiten fallen auf Einzelstunden, was vor allem damit zusammenhängt, dass sie oft mit „triebstarken und aggressiven“ Hunden arbeitet. „Da kann ich nicht fünf in eine Gruppe packen.“ Ihre Trainingserfolge dokumentiert sie in Vorher-Nachher-Videos auf ihrer Facebookseite und bei Instagram. Vor allem in ihren Welpenkursen finden sich alle möglichen Rassen, erklärt Banovic. Sie bietet außerdem eine Hundebetreuung an und züchtet selbst die Rasse Presa Canario, auch kanarische Dogge genannt. „Von Herzen gern“ berät sie auch Menschen, die sich für solche Rassen interessieren, vor der Anschaffung. Denkbar ist eine Begleitung zum Züchter, um den passenden Welpen aus dem Wurf herauszupicken, denn: „Es ist das A und O, dass man sich von vorneherein den richtigen Hund für sich aussucht.“

Lena Keck-Schneider betreibt eigentlich die Hundetagesstätte Rudelei in Nieder-Ramstadt. Zusätzlich bietet die Hundetrainerin Einzelstunden an, vorwiegend an Freitagnachmittagen und am Wochenende.

„Zu mir kommen nicht nur Kunden, die ihren Hund bei mir in der Betreuung haben“, erklärt die gelernte Tiermedizinische Fachangestellte, „aber auch“. Schwerpunkt bei den aktuellen Kunden seien Pöbeleien an der Leine und schlechte Leinenführigkeit. Zudem seien aktuell viele in der Corona-Zeit angeschaffte Hunde jetzt in der schwierigen Phase der Pubertät. „Das bekomme ich sehr stark zu spüren.“ Hundeerziehung ist für Keck-Schneider „in erster Linie eine gute Mensch-Hund-Beziehung und dass der Mensch den Hund richtig lesen kann.“

Hundetrainer

Hundetrainer ist keine geschützte Berufsbezeichnung und kein Ausbildungsberuf. Hundetrainer benötigen aber eine Zulassung des Veterinäramts nach § 11 des Tierschutzgesetzes, „gewerbsmäßig Hunde für Dritte trainieren oder die Ausbildung der Hunde durch den Halter bzw. die Halterin anleiten“.


Cativity – auch Katzen wollen beschäftigt werden

Im Handel gibt es mittlerweile viel Katzenspielzeug. Dabei muss man gar nichts kaufen, um seinen Stubentiger artgerecht zu beschäftigen. Katzenpsychologin Carmen Schell aus Dieburg hat vier simple Tipps, die keinen Cent kosten – und eine Empfehlung, die sich besonders für Wohnungskatzen lohnen kann.

Von Mara Pitz

Die Katze gilt als anspruchsloses Haustier: Tagsüber schläft sie im Sessel, nachts geht sie draußen auf Streifzüge, und wenn man im Urlaub ist, übernehmen die Nachbarn die Fütterung. „Damit tut man Katzen Unrecht“, findet Carmen Schell. Die 42 Jahre alte Dieburgerin ist Katzenexpertin und berät Halter bei Problemen mit dem Stubentiger, etwa bei Unsauberkeit oder wenn sich zwei Katzen im Haushalt nicht vertragen. Viele Probleme mit Katzen ließen sich mit ausreichend Beschäftigung verhindern, ist Schell sicher. Ein Kernproblem ist Langeweile zuhause, vor allem bei Abwesenheit der Menschen. Auch eine Zweitkatze schafft hier nicht immer Abhilfe. Denn oft dient sie als Kuschel-, aber nicht als Spielpartner, erklärt die Katzenpsychologin. Deswegen hat Schell „Cativity“ erfunden. Das Wort ist eine Mischung aus dem englischen Cat (Katze) und Activity (Aktivität) und ist angelehnt an „Agility“ aus dem Hundesport. Mit den folgenden Tipps kann man Cativity in den eigenen vier Wänden umsetzen.

Eine Deckenburg bauen: Katzen sind vorwiegend in der Dämmerung aktiv, oft aber auch nachts, wenn ihre Menschen schlafen. Carmen Schell kennt einen einfachen Trick, um dem Stubentiger nachts Abwechslung zu bieten: „Einfach vor dem Schlafengehen einen Stuhl weg vom Tisch nehmen, ihn quer auf den Boden legen und eine Decke drüber werfen.“ Wenn die Katze nachts durch die Wohnung streift, wird sie von dem „unbekannten Objekt“ mitten im Raum fasziniert sein und – ganz in ihrem Tempo – beginnen, es zu erkunden.

Ein „Activity Board“ basteln: „Activity Boards“ sind Katzenspielzeuge, die es auch im Handel gibt. In verschiedenen Fächern oder Öffnungen lassen sich Leckerchen verstecken. Die Katze muss die Futterstückchen erschnüffeln und sie anschließend mit der Pfote herausangeln. Doch auch hierfür gibt es eine einfache selbstgemachte Alternative: Die Fächer eines Eierkartons werden mit Serviettenschnipseln gefüllt, zwischendrin werden Leckerlis gestreut. Diese Variante eignet sich besonders für Katzen, die gerne und oft ihre Pfoten einsetzen. Oder man legt, bevor man das Haus verlässt, einen sogenannten Futterparcours aus Leckerlis oder Pellets in der Wohnung aus. Das bringt auch träge Katzen auf Trapp, erklärt Schell. „Untersuchungen haben gezeigt, dass Katzen sich danach 30 bis 40 Prozent mehr in der Wohnung bewegen.“

„Tabuzonen“ freigeben: Die eigenen vier Wände werden spannender, wenn sich darin immer mal wieder neue Räume eröffnen, die der Stubentiger erkunden darf. „Man kann die Tür zu einem Zimmer öffnen, das sonst immer verschlossen ist“, erklärt die Katzenexpertin, „also eine Tabuzone in der Wohnung freigeben, die die Katze erkunden kann.“ Auch spannend für den Stubentiger: „Mal einen Tag lang den Kleiderschrank offenlassen.“ Selbstverständlich müsse man immer vorher sichergehen, dass dort keine Gefahren für die Katze drohen. Oder an einen eigentlich zu hohen Schrank wird ein Stuhl geschoben, sodass die Katze hinaufspringen kann.

Laufrad: Eine Katze, die wie ein Hamster in einem Laufrad rennt? Das mag auf den ersten Blick befremdlich wirken. Auch Carmen Schell ging es so – bis sie eines der Räder für ihre eigene Katzenseniorin anschaffte. „Sie hat es super angenommen und ist nachts von alleine darin gerannt.“ Seitdem empfiehlt Schell es gerne ihren Kunden. Besonders für Katzen ohne Freigang und mit großem Bewegungsdrang bietet sich das Rad zum Auspowern an. „Denn: In den wenigsten Wohnungen haben Katzen Platz, mal so richtig loszusprinten.“ Auch von älteren Katzen wird das Rad gerne angenommen, hat Schell beobachtet: „Die gleichmäßige Bewegung scheint den müden Knochen besonders gut zu tun.“ Die Räder gibt es aus Holz oder Kunststoff und in verschiedenen Größen. Wichtig ist, dass das Rad groß genug sein, sodass die Wirbelsäule der Katze darin gerade bleibt. Außerdem müssen viele Katzen erst mal an das Trainingsgerät herangeführt werden. Bei ängstlichen Katzen sollte man das Rad zunächst fixieren und sie behutsam ans Ein- und Aussteigen gewöhnen. Bei Herstellern wie „Canadian Cat“ kostet ein Laufrad etwa 300 Euro, gebraucht sind sie auf gängigen Internetplattformen schon für rund 100 Euro zu haben. Es gibt im Internet auch Anleitungen zum Selberbauen.

Katze in den Alltag einbeziehen: Auch in alltägliche Tätigkeiten lässt sie die Katze einbeziehen. Schell gibt ein praktisches Beispiel: „Bevor ich Nudeln ins Kochwasser gebe, werfe ich der Katze eine einzelne quer durch den Raum“, erklärt Schell. Das weckt den Jagdinstinkt des Stubentigers und macht den Menschen im Alltag spannend für die Katze. Eine andere Idee: Den Karton der letzten Online-Bestellung nicht direkt wegschmeißen, sondern ihn der Katze zum Erkunden stehen lassen. Der wichtigste Tipp ist ohnehin: „Durch die eigene Wohnung gegen und versuchen, sie mit Katzenaugen zu sehen.“ Da kann man auch als Mensch noch etwas lernen.

Katzenpsychologin Carmen Schell aus Dieburg, Inhaberin von Cattalk®, berät Katzenbesitzer, Tierärzte und Tierheime im Rhein-Main-Gebiet und via Online-Coaching zu allen Fragen der Haltung und zu Problemverhalten. Außerdem hält sie Fachvorträge, schreibt Bücher zum Thema (u. a. „Second Hand Katze“) und ist regelmäßig in der TV-Sendung „hundkatzemaus“ (Vox) als Katzenexpertin zu sehen. (Mehr auf www.cattalk.de)


Gestatten: Maine Coon

Unser Tier-Poster

Unser TIERISCH GUT Postermotiv / Foto: Anja Eitzelberger

Maine Coons gehören mittlerweile zu den beliebtesten Katzenrassen und werden auch in Deutschland immer häufiger gehalten. Ihnen wird ein ausgeglichener Charakter, eine gewisse Geselligkeit und Intelligenz nachgesagt. Es ist einigen Haltern schon gelungen, ihnen kleine Kunststückchen beizubringen. Sie haben einen recht muskulösen Körper, Kater bringen gerne 6 bis 8 Kilogramm auf die Waage. Sie können bis zu 120 Zentimeter lang werden und eine Schulterhöhe von bis zu 40 Zentimeter erreichen. Maine Coons können als reine Wohnungskatzen gehalten werden, brauchen dann aber viele Spielmöglichkeiten (Intelligenzspielzeug) als Beschäftigung. Sie sind im Gegensatz zu Hauskatzen sogar wasserliebend und spielen durchaus auch mit ihrem Wassernapf.

Obwohl Maine Coones ein langes Fell haben, ist die Pflege nicht sehr aufwändig. Denn sie haben wenig Unterwolle unter dem halblangen Deckhaar. Es reicht, wenn sie einmal pro Woche sorgfältig gekämmt werden.

Maine Coons ähneln der Norwegischen Waldkatze, stammen aber aus Amerika aus dem Staat Maine. Die Einwohner sind zurecht stolz auf die schönen Tiere. In den 1950-er Jahren wurden sie Showkatzen genannt und auf Rasseausstellungen präsentiert.

Fellow mit Kumpel Shiri im Cat-Mobile

FINDEFIX feiert Jubiläum

40 Jahre Haustierregister des Deutschen Tierschutzbundes

Das erste Haustierregister Deutschlands wird 40. Anlässlich des Jubiläums blickt der Deutsche Tierschutzbund auf dessen Geschichte zurück und erinnert Tierhalter daran, wie wichtig die Kennzeichnung und Registrierung des tierischen Familienmitglieds ist. Das mittlerweile als FINDEFIX bekannte Register des Deutschen Tierschutzbundes vereinte in den vergangenen Jahrzehnten hunderttausende verschwundene Haustiere wieder mit ihren Besitzern. Dies entlastet nicht nur Tierheime – auch im Kampf gegen den illegalen Tierhandel sind Kennzeichnung und Registrierung unerlässlich.

„Tiere können uns nicht sagen, ob sie eine liebevolle Familie haben, die gerade verzweifelt nach ihnen sucht. Ein Haustierregister, bei dem die Besitzer das gekennzeichnete Tier angemeldet haben, hingegen schon“, sagt Daniela Rohs, Leiterin von FINDEFIX, dem Haustierregister des Deutschen Tierschutzbundes. In Zeiten des Corona-bedingten Haustierbooms, der sich auch bei FINDEFIX mit 15 Prozent mehr Neuregistrierungen bemerkbar macht, sei es wichtig, an die Registrierung zu erinnern: „Vor allem den vielen frischgebackenen Ersttierhaltern, die ihr Tier noch nicht angemeldet haben, wollen wir die Registrierung ans Herz legen. Ein Tier ist schneller verschwunden, als man meint. Und ohne FINDEFIX hätten viele Haustierbesitzer ihre verlorenen Lieblinge niemals wiedergesehen.“

Deutschlands ältestes Register
Der Tierschutzbund rief das älteste Haustierregister Deutschlands 1981 ins Leben. In erster Linie war dies eine Reaktion auf damals verbreitete Tierdiebstähle durch kriminelle Versuchs­tierhändler. Schon von Beginn an sollte also auch der illegale Tierhandel eingedämmt werden.

Da Tierdiebe Halsbänder und Marken leicht entfernen konnten, war eine sicherere und unverwechselbare Kennzeichnung der Tiere nötig. Nachdem man die ersten zehn Jahre auf Tätowierungen setzte, verbreitete sich ab 1991 die heute noch übliche Methode, Tiere mit einem Mikrochip zu kennzeichnen. Dafür injiziert der Tierarzt dem Tier einen reiskorngroßen Transponder mit Mikrochip unter die Haut. Anhand der auf dem Chip gespeicherten 15-stelligen Nummer kann ein verlorenes Tier seinem Besitzer schnell und einfach zugeordnet werden. Voraussetzung für die Wiedervereinigung durch
FINDEFIX ist, dass der Halter das Tier mit Chipnummer online auf www.findefix.com oder postalisch per Formular angemeldet hat.

Zum Glück wieder zurück – Dank des Tierschutz-Netzwerks

Seit 2017 nennt sich das Register der Tierschutzbundes FINDEFIX. Als Dachverband der deutschen Tierheime und Tierschutzvereine verfügt der Tierschutzbund über ein großes Netzwerk, das bei der Suche und Rückvermittlung verlorener Tiere hilft. Auch im Urlaub sind registrierte Tiere heute geschützt, da sich FINDEFIX mit anderen Registrierdiensten weltweit austauscht. Eine Chronik zum 40-jährigen Jubiläum ist unter www.findefix.com/
ueber-uns/40-jahre-haustierregister einsehbar.